Freitag, 16. April 2010

WoW!

Die wichtigste Wirtschaftsmeldung des Tages, die in keiner Zeitung steht:

Blizzard Entertainment nimmt binnen vier Stunden zwei Millionen Dollar durch den Verkauf eines virtuellen Pferdes ein.

Im Vorfeld experimentierte der Computerspieleentwickler mit virtuellen Haustieren, von deren Erlös ein Teil an wohltätige Zwecke ging, und digitalen Gefährten, in deren Kaufpreis die Real Life Ausgabe in Plüschform zum Knuddeln und Anfassen enthalten war, um die Abonnenten von World of Warcraft an den Gedanken, für elektronische Güter Geld zu zahlen, zu gewöhnen. Aber das "Celestial Steed" markiert das erste Mal, dass Menschen in dieser Größenordnung - 25$ pro Download, Downloads im Wert von 500.000$ pro Stunden, bei nicht abreißender Nachfrage, gleich geschätzte sechs Millionen Dollar Umsatz oder mehr am ersten Tag für Blizzard - Geld für ein Produkt ausgeben, das keinen realen Gegenwert bietet. Selbst im Spiel zieht der Käufer keinen Nutzen aus dem 25$ Pferd. Reittiere sind in World of Warcraft für jeden erhältlich. Die einzige Besonderheit des Himmlischen Rosses ist dass es besonders funkelt.

Natürlich ist es nicht absolut neu, dass Menschen für einen virtuellen Wert Geld zahlen. Jeder stolzer Besitzer eines Ferraris hat einen Prozentsatz des Kaufpreises für das Privileg bezahlt, einen waschechten Ferrari fahren zu dürfen und nicht irgendeinen anderen, gleichermaßen roten, gleichermaßen schnellen, aber namenlosen Sportwagen. Und auch der Tausch von ideellen Gütern gegen echtes Geld ist keine Revolution. World of Warcraft Charactere werden auf Ebay angeboten, chinesische Spielestudios verkaufen virtuelle Waffen und Rüstungen an ihre Kunden, und Microsoft und Sony versuchen seit Jahren Downloadable Content als Geschäftsmodell der Zukunft auf dem Markt zu etablieren. Es ist die schier schwindelerregende Dimension von Blizzards Erfolg, die das "Celestial Steed" zum Meilenstein an dem Punkt der Straße, ab dem keine Umkehr mehr möglich ist, macht.

Fünfundzwanzig Dollar ist der halbe Preis eines vollwertigen Computerspiels. FÜR EIN PONY. Oder der Preis, den früher die Erweiterung für Blizzard Entertainments erfolgreiche Spiele "Diablo" und "Warcraft" kosteten. FÜR EIN SCHEIßGLITZERNDES HOTTE-HÜ! Fünfundzwanzig Dollar für ein Pferdchen, dessen Design vielleicht einen Tag und einen Programmierer benötigte! Verglichen mit dem Arbeitsaufwand ein komplettes Team für ein komplettes Spiel zu bezahlen...

Die Büchse der Pandora ist offen: Die Wettervorhersage lautet Schneesturm von hier bis ans Ende der Welt.

Montag, 12. April 2010

Wer braucht schon ScriptFrenzy?

Überarbeitung des Drehbuchs zu "Yard": Begonnen während der Pilotfolge von Countdown - Abgeschlossen beim Seriendebüt von Der Letzte Bulle. Gibt es auf der Welt einen besseren Motivator als schlecht geschriebenes deutsches Fernsehen?