Montag, 21. März 2011

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Wie sich herausstellt, stimmt die Redewendung nicht ganz. Dank der wunderbaren Welt der Forschung können wir heutzutage exakt feststellen, wie viel ein Wort im Vergleich mit einem Bild wert ist:
One recent academic study found that a given disaster received an 18 percent spike in charitable aid for each seven hundred-word newspaper article and a 13 percent spike for every sixty seconds of TV news coverage. (Anyone hoping to raise money for a Third World disaster had better hope it happens on a slow news day.)

Sieht aus, als hätte der Volksmund die Macht der Bilder gehörig überschätzt und das gute alte Wort gewaltig unter Wert verkauft. In Zukunft benutzt daher bitte folgende, korrigierte Fassung des Sprichworts: "Eine Sekunde Bild sagt so viel wie 7,8 Worte."

Montag, 12. Juli 2010

Waka waka tiki taka

Alles, was ich vom Wochenende wollte, war, dass Löw seine Jungs in einer innovativen 0-4-6 Formation aufstellt, bei der jeder Klose den Ball zuarbeitet. Scheiß drauf ob wir 2-9 gegen die Urus verlieren. Hauptsache die zwei Deutschen Tore kommen von Miro.

Es gab Tore, und zwei waren typische Klose Tore - ein Abstauber und ein Kopfball - leider stand Klose nicht auf dem Platz.

Glückwunsch, Spanien. Willkommen im Club der Weltmeister. Ihr verdient es dafür, dass Ihr das zweitbeste Team der Welt geschlagen habt. Plus Holland.

Mein WM-Rückblick klebt irgendwo anders im Internetz. Stattdessen an dieser Stelle ein Best Of Warren Ellis. Seine Live-Kommentare zu den Spielen waren die Anti-Vuvuzelas und die beste Existenzberechtigung für Twitter seit der grünen Revolution.

GERMANY VS ENGLAND

"See mighty England greet the German squad. See mighty England shit themselves."

"If you look closely, you can see pee leaking out of the England players whenever a German approaches."

"I can’t come up with anything funnier than those two goals by Germany."

GERMANY VS ARGENTINA

"Argentina's Messi seems to be playing a game all on his own. Sadly, not the same game everyone else is playing."

"Argentina aimlessly kicking the ball among themselves, hoping the Germans will get bored enough to start drinking."

"Germany affirm their superiority by flinging Argentinians at the pitch."

"Take note: German goalkeepers do not merely catch the ball. They punch it until it goes away."

"Half-time. I do hope Maradona has enough cocaine for all his players."

"Someone has just suggested to me that vuvuzelas are simply Diego Maradona's coke straws."

"That wasn't a foul. If an Argentinian danced that badly in front of me for that long, I'd kick his legs out too."

"Germany summon the ancient Saxon spirit that drove them to invade Britain and eat all our women a thousand years ago. 2-0."

"Argentina dared to kick the ball again after that perfect second goal, so Germany scored a third to punish them."

"Germany's real asset: they've a player called Bastian Schweinsteiger. A man who could crush you with his name alone."

"German efficiency demands a nice round number. 4 - 0."

"And that's the end of that. Kindly vuvuzelas drown out the sound of Maradona's suicide gunshot. Thank you for your company, Twitter."

GERMANY VS SPAIN

"The Germans are fielding a player called KROOS. How dare the Spaniards disrespect a man called KROOS?"

"And KROOS will have to return to the iron-spiked space mansion that I like to imagine a man called KROOS would own."

GERMANY VS URUGUAY

"Schweinsteiger should be striding across Germany right now, judging the guilty and impregnating women with his uncanny foot."

"New rule: if someone dispossesses Schweinsteiger of the ball, Schweinsteiger is allowed to execute them on the spot."

"Half-time. Uruguayan team discover that the mere presence of Schweinsteiger has turned their gonads into ovaries."

"But the game is not over yet. Remember: Schweinsteiger’s first name, Bastian, is German for “Man-Kraken.”"

"Germany score third goal by just kind of throwing six people at it until it goes in. Sort of a competitive gangbang."

SPAIN VS NETHERLANDS

"The Dutch do the only sensible thing at this point, and start breaking Spanish legs."

"oh god would one of you just kick the fucking ball at a fucking goal I don’t even care if it’s your own fucking goal."

"At this point, I’d find it hard to care if the ref started shooting people instead of showing them yellow cards."

"That would have been a good shot at the goal if the goal had been in the next country over."

"sorry for pause: fell asleep, brief lovely dream in which one of these shit brigades scored a goal and we all went home"

"Fire lit at corner flag, where Dutch are roasting the bits of flesh they’ve kicked off the Spanish during the match."

Donnerstag, 8. Juli 2010

Was du kannst, kann ich auch: In die Zukunft sehen!

Ich wage mal eine Prophezeiung: Binnen des nächsten halben Jahres werden wir die Schlagzeile "Einbruch im Oberhausener Zoo - Paul der Oktopus vermisst!" lesen.

So ist das Schicksal von Wahrsagern, die ihre Klappe nicht halten können. Entweder man glaubt ihnen nicht und sie werden verspottet, wie Kassandra, oder aber man glaubt ihnen und dann werden sie vom wütenden Mob zerfleischt wie eine Dorfhexe, nachdem die von ihr vorhergesagte Tierseuche die benachbarten Bauern ruinierte.

Montag, 31. Mai 2010

'54, '74, '82, '90, 2010

Nach dem Sieg Lenas beim Eurovision Song Contest steht fest, dass Deutschland auch Fußballweltmeister wird. Die Ähnlichkeiten zwischen Lena und Nationalelf sind zu verblüffend.

1. Lena ist 19 Jahre alt. Das entspricht ziemlich genau dem Durchschnittsalter unserer wahrscheinlichen Startelf nach dem Ausfall von Ballack, der Verletzung von Rolfes, der Disqualifikation von Frings, dem Tod Enkes und der Formkrise von Klose. Raab schickte einen Wonneproppen nach Oslo und gewann, wir schicken eine Rasselbande nach Südafrika und siegen.

2. Lena ist ungefähr so groß wie Philipp Lahm, wiegt so viel wie Marko Marin und hat modische Schals mindestens genauso lieb wie Joachim Löw.

3. Q.E.D.

Jungs, holt das Double!

Freitag, 16. April 2010

WoW!

Die wichtigste Wirtschaftsmeldung des Tages, die in keiner Zeitung steht:

Blizzard Entertainment nimmt binnen vier Stunden zwei Millionen Dollar durch den Verkauf eines virtuellen Pferdes ein.

Im Vorfeld experimentierte der Computerspieleentwickler mit virtuellen Haustieren, von deren Erlös ein Teil an wohltätige Zwecke ging, und digitalen Gefährten, in deren Kaufpreis die Real Life Ausgabe in Plüschform zum Knuddeln und Anfassen enthalten war, um die Abonnenten von World of Warcraft an den Gedanken, für elektronische Güter Geld zu zahlen, zu gewöhnen. Aber das "Celestial Steed" markiert das erste Mal, dass Menschen in dieser Größenordnung - 25$ pro Download, Downloads im Wert von 500.000$ pro Stunden, bei nicht abreißender Nachfrage, gleich geschätzte sechs Millionen Dollar Umsatz oder mehr am ersten Tag für Blizzard - Geld für ein Produkt ausgeben, das keinen realen Gegenwert bietet. Selbst im Spiel zieht der Käufer keinen Nutzen aus dem 25$ Pferd. Reittiere sind in World of Warcraft für jeden erhältlich. Die einzige Besonderheit des Himmlischen Rosses ist dass es besonders funkelt.

Natürlich ist es nicht absolut neu, dass Menschen für einen virtuellen Wert Geld zahlen. Jeder stolzer Besitzer eines Ferraris hat einen Prozentsatz des Kaufpreises für das Privileg bezahlt, einen waschechten Ferrari fahren zu dürfen und nicht irgendeinen anderen, gleichermaßen roten, gleichermaßen schnellen, aber namenlosen Sportwagen. Und auch der Tausch von ideellen Gütern gegen echtes Geld ist keine Revolution. World of Warcraft Charactere werden auf Ebay angeboten, chinesische Spielestudios verkaufen virtuelle Waffen und Rüstungen an ihre Kunden, und Microsoft und Sony versuchen seit Jahren Downloadable Content als Geschäftsmodell der Zukunft auf dem Markt zu etablieren. Es ist die schier schwindelerregende Dimension von Blizzards Erfolg, die das "Celestial Steed" zum Meilenstein an dem Punkt der Straße, ab dem keine Umkehr mehr möglich ist, macht.

Fünfundzwanzig Dollar ist der halbe Preis eines vollwertigen Computerspiels. FÜR EIN PONY. Oder der Preis, den früher die Erweiterung für Blizzard Entertainments erfolgreiche Spiele "Diablo" und "Warcraft" kosteten. FÜR EIN SCHEIßGLITZERNDES HOTTE-HÜ! Fünfundzwanzig Dollar für ein Pferdchen, dessen Design vielleicht einen Tag und einen Programmierer benötigte! Verglichen mit dem Arbeitsaufwand ein komplettes Team für ein komplettes Spiel zu bezahlen...

Die Büchse der Pandora ist offen: Die Wettervorhersage lautet Schneesturm von hier bis ans Ende der Welt.

Montag, 12. April 2010

Wer braucht schon ScriptFrenzy?

Überarbeitung des Drehbuchs zu "Yard": Begonnen während der Pilotfolge von Countdown - Abgeschlossen beim Seriendebüt von Der Letzte Bulle. Gibt es auf der Welt einen besseren Motivator als schlecht geschriebenes deutsches Fernsehen?

Montag, 15. März 2010

Pornos, Papst & Buchpromotion

Ich habe mich bislang dagegen gewehrt, den jüngsten Skandal in der Katholischen Kirche, der ihre Langzeitkritiker wie eine Süßigkeit lockt, zu kommentieren. Nicht nur weil hinlänglich bekannt ist, was mit jungen Menschen passiert, die von Katholiken Süßigkeiten annehmen. Einerseits reiße ich mich prinzipiell zusammen, wann immer ich den Impuls "Ich hab's Euch doch gesagt" zu rufen verspüre. Andererseits überkommt selbst die aufgeweckteste Person bald dröge Müdigkeit, wenn Debattenrunden über den möglichen Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch philosophieren und erst im Nachsatz das eigentliche Verbrechen, das direkt vor der Nase liegt, anschneiden, nämlich die systematische Vertuschung und Befähigung der Vergwaltigung von Kindern.

Bis heute als mir bei Lektüre, die mit den Missbrauchsfällen nichts zu tun hatte, ein Nebensatz im Hals stecken blieb. Diese ungemütliche Information aus einem Artikel über Pornographie:

Despite the widespread and increasing availability of sexually explicit materials, according to national FBI Department of Justice statistics, the incidence of rape declined markedly from 1975 to 1995. This was particularly seen in the age categories 20–24 and 25–34, the people most likely to use the Internet. The best known of these national studies are those of Berl Kutchinsky, who studied Denmark, Sweden, West Germany, and the United States in the 1970s and 1980s. He showed that for the years from approximately 1964 to 1984, as the amount of pornography increasingly became available, the rate of rapes in these countries either decreased or remained relatively level. Later research has shown parallel findings in every other country examined, including Japan, Croatia, China, Poland, Finland, and the Czech Republic. In the United States there has been a consistent decline in rape over the last 2 decades, and in those countries that allowed for the possession of child pornography, child sex abuse has declined. Significantly, no community in the United States has ever voted to ban adult access to sexually explicit material. The only feature of a community standard that holds is an intolerance for materials in which minors are involved as participants or consumers.

In terms of the use of pornography by sex offenders, the police sometimes suggest that a high percentage of sex offenders are found to have used pornography. This is meaningless, since most men have at some time used pornography. Looking closer, Michael Goldstein and Harold Kant found that rapists were more likely than nonrapists in the prison population to have been punished for looking at pornography while a youngster, while other research has shown that incarcerated nonrapists had seen more pornography, and seen it at an earlier age, than rapists. What does correlate highly with sex offense is a strict, repressive religious upbringing.
Unter großem Vorbehalt: Die Regel, dass Zusammenhang noch keine Ursächlichkeit beweist, gilt für die Kinderpornographie-Statistiken und für die negative Korrelation zwischen Pornographie und Vergewaltigung überhaut. Außerdem verletzt die Produktion von Kinderpornographie Kinder, selbst wenn der Effekt des Konsums von Kinderpornographie positiv wäre. Trotzdem bleibt nach dem ersten torkelndem Entsetzen über den Inhalt des Artikels flaue Ernüchterung, angesichts dessen, dass ein US-Amerikaner aufgrund des Besitzes von gezeichneter Kinderpornographie ein halbes Jahr in den Knast gesteckt wurde.

Zu guter Letzt ist dies mein umständlicher Weg um einer Freundin für ihren eigenen Beitrag zur Senkung der weltweiten Vergewaltigungsstatistik zu gratulieren: Herzlichen Glückwunsch an die Liebessklavin zur Veröffentlichung!