Donnerstag, 23. Oktober 2008
IfritInside
Die Arbeit trägt den Titel "Der Dschinn in der post-modernen Literatur - Dekonstruktion eines Wunscherfüllers" und untersucht, warum die Flaschengeister von Heute konsequent die Arbeit verweigern und was das mit Microsoft Windows zu tun hat. Eine Welt, die den Computer erfunden hat, besitzt einfach keinen Platz mehr für magische Helfer, die zuverlässig so funktionieren wie es in der Gebrauchsanleitung versprochen wurde.
Dschinns, die nicht den eigentlich bekannten Regeln gehorchen wollen, sind mittlerweile fast Klischee. Kaum ein vermeintlicher Glückspilz kriegt mehr den Satz "Und als ersten meiner drei Wünsche wünsche ich mir..." ohne vom Dschinn unterbrochen zu werden: "Wünsche? Ich erfülle keine Wünsche. Keine Ahnung, was du gehört hast, Junge, aber so läuft das nicht."
Die Dekonstruktion des Wünscheerfüllers ist tief in unsere Kultur eingedrungen, und ich meine tief. Ich meine, wenn eine post-moderne Interpretation es soweit geschafft hat, dass sie in Pornos auftaucht, hat sie es geschafft.
Nein, kein Scherz.
Und Jawohl, das Beispiel des eigenwilligen Pornodschinns erwähne ich an dieser Stelle nur deswegen, weil ich es in der Hausarbeit nicht verwenden kann.
Freitag, 17. Oktober 2008
Gottschalks Zynismus und Aspektes Hochnäsigkeit
Wenn man danach sucht, gibt's Qualität freilich überall zu finden. Und wenn man gezwungen ist zu suchen, sucht man besser online. Dort ist es benutzerfreundlicher, dank Suchmaschinen, und hat höhere Aussichten auf Erfolg, denn abseits der, von Gottschalk lamentierten, 17-jährigen, die über Hunde auf Skateboards lachen, nutzen intelligente Erwachsene die Möglichkeiten des Webs um Erstaunliches auf die Beine zu stellen. Das durchaus vorhandene Angebot an hochwertigem Fernsehen ist nicht die Trumpfkarte, für die Gottschalk sie hält. Der Fakt, das auf der Menükarte auch ein Salat angeboten wird, rettet McDonalds nicht gegen den Vorwurf ein Fast Food Restaurant zu sein. Darüberhinaus passt die Entschuldigung nicht zum Vergehen.
Das ganze Dilemma der deutschen Fernsehlandschaft besteht nämlich nicht darin, dass keine Qualität zu finden wäre. Das Dilemma besteht darin, dass Anspruch und Unterhaltung streng voneinander getrennt gehalten werden. Bildungsfernsehen darf keine dummen Witze machen, aus Angst davor, das blaue Adelsblut mit dem des niederen Pöbels zu verwässern, und hirnloser Massenware ist auf Strafe verboten, einen Satz auszusprechen, der aktives Mitdenken erfordert, weil Zuschauer das TV-Gerät abschalten sobald sie das Gehirn einschalten und umgekehrt. Verstößt ein Format gegen eine dieser Regeln wird es abgesetzt ehe die Quoten veröffentlicht sind.
Die Mauer in den Köpfen zwischen Hochkultur und Gossenkultur ist eine typisch deutsche Krankheit. Beispiel Comedy. Da gibt es entweder politisches Kabarett, das vor 40 Besuchern spielt, oder klischee-dreschende Stand-Up Acts, die Fußballstadien füllen. Und dazwischen nur ganz wenige wagemutige Grenzgänger. Ausgerechnet das ignorante Hollywood-Amerika beweist regelmäßig das Gutes rauskommt, wenn man sich traut, Unterhaltung und Intelligenz zu vermischen. Immer daran denken, Shakepeare riss die schlimmsten Zoten über Fürze und Fladen in ganz England.
Es gibt so etwas wie kluge Unterhaltung und zugängliche Bildung. Es fällt schwer, das zu glauben, denn echte, lebende Vertreter dieser Gattungen sind im Fernsehen schwer zu finden. Dafür wird der Bildschirm überschwemmt mit diesen zwei Arten: langweiliges Entertainment und banale Informationen. Die Doppelzüngigkeit der Medienmacher, die mit der einen Hand Schund produzieren und sich mit der anderen Hand auf die Schulter klopfen, wann immer sie es schaffen die kleinste Ladung Qualität am Zuschauer vorbei auf Sendung zu schmuggeln, basiert auf einer einzigen Annahme: Jeder Deutsche zwischen 14 und 49 hat zwischen den Ohren nichts als Grütze und leere Luft.
Das ist der Zynismus von Thomas Gottschalk - Die Leute wollen nur Titten, Witze und Sensationen. Es fällt nicht schwer zu verstehen, wie das quotengesteuerte Fernsehen seine Macher zu Menschenfeinden erzieht.
"Ich hasse die Menschen und was ich mache, das Fernsehen, das Programm, die Zuschauer, ich hasse hasse hasse die Dummheit und die Geilheit und die Gier und die Verlogenheit und alles, das mir erlaubt, den Job zu behalten, für den ich bezahlt werde, und das Leben zu führen, das ich genieße, JA, ich verachte jede einzelne Person, die schuld daran ist, das aus mir geworden ist, was ich bin. Jeden einzelnen Zuschauer, der meine Sendungen guckt. Aber ich liebe Geld und daher werde ich weiterhin genau das gleiche tun wie bisher."
Man kann die selbstverliebten Wehklagen der Schrottproduzenten und Müllmoderatoren förmlich hören. Die Verfechter der flimmernden Hochkultur sind nicht besser. Das demonstrierte das ZDF netterweise durch die Sendung direkt im Anschluss an die Sondersendung zur Medienschelte des Literaturpapstes.
Wir sorgen für Qualität im Fernsehen, verkündete Aspekte. Und machte sich sogleich daran, absolut nichts von Bedeutung von sich zu geben. Ein Beitrag über Amazons Kindle - ein interessantes, würdiges Thema, zu dem Aspekte nur altbekannte, zehnmal vorher und fünfmal besser vorgekaute, hilflos romantische, hoffnungslos vergangenheitsverbundene, hemmungslos unkritische, herausforderungslos beschwichtigende Schwafelei hervorbrachte. Wir bekamen die volle Dosis von allem, warum Bildungsfernsehen völlig zu Recht keine höheren Zuschauerzahlen zieht: Narzisstische Anspielungen die Zeit verschwenden, nutzloses Um-den-Punkt-Gerede und Masturbieren auf die eigene, vorgefertige, niemals in Frage gestellte Meinung.
Der Zuschauer, der Aspekte einschaltet, hatte vor dem Beitrag einen Standpunkt und wusste nach dem Beitrag so viel wie vorher: "Ich mag Bücher, ja-ja, und ich mag Bücherregale aus dunkler Eiche und das Gefühl von Papier und Leder und das Geräusch der Seiten beim Umblättern. Elektronische Bücher sind was für unkultivierte Banausen."
Ein komplettes Magazin, das sich dafür preist, den Zuschauer am Ende ein bisschen schlauer zu machen als er vorher war und sie sind vollkommen blind gegenüber dem großen Versprechen des Kindle, der Grund warum elektronische Bücher die Revolution einer Generation sein könnten: Der Kindle ist nicht nur ein Buch - er ist eine ganze Bibliothek. Eine Bibliothek, die in deine Hosentasche passt, abrufbar jederzeit und von überall.
Das ist genau so seichte Plätscherware zum Einlullen nach der Arbeit und vorm Schlafengehen wie frauensuchende Bauern und superstarsuchende Blödbirnen, nur für ein Publikum, das sich für was besseres hält. Selbst wenn es anders wäre und die Kultursendung etwas wichtiges zu sagen hätte, würde sie ausschließlich eine Minderheit erreichen, weil sie Einbildung zur Eintrittskarte macht und zu sehr damit beschäftigt ist, Seele und Schwanz des Bildungsbürgers zu streicheln, anstatt die Neugier neuer Zuseher zu wecken.
Innerhalb eines Abends also die anschauliche Demonstration der Wurzeln allen Übels, warum Kultur und Quoten nicht zusammenkommen: Thomas Gottschalk hält den durchschnittlichen Zuschauer für blöd - Aspekte glaubt, der durchschnittliche Zuschauer schaut ihnen nicht zu.
Ich würde den Fernsehmachern ein Rezept verschreiben. Wäre vielleicht hübsch, es mal auzuprobieren. Ein neuer Ansatz beim Fernsehmachen: Geht davon aus, dass eure Zuschauer intelligente, erwachsene Menschen sind, deren Zeit kostbar ist.
Falls nötig, tut so als ob. Belügt euch selbst, obwohl ihr es glaubt besser zu wissen. Wartet die Ergebnisse ab. Die meisten Sendungen bekommen die Zuschauer, die sie verdienen. Wer damit zufrieden ist, an den Affen im Menschen zu appellieren, braucht sich nicht wundern, wenn seine Zuschauerschaft aus Schimpansen besteht. Und Fernsehmacher dieser Art verdienen den gleichen Respekt, den wir den Arbeitern entgegenbringen, die im Affenhaus Scheiße kehren, aber bestimmt nicht mehr.
Ganz, ganz bestimmt keine Preisverleihungen.
Samstag, 11. Oktober 2008
Das Recht zu Leben, das Recht zu Sterben
"No mask," she said, "no pain."
Her nurse promised to give her enough morphine to deaden any pain she might feel after my mother made her choice: She would take off the mask. She would go now. I told the doctor and then ran sobbing—no longer trying to hold it together—into the waiting room to get my stepfather, my sister, and my aunt. Things were worse than they were five minutes ago. Get in here, I said, get in here now.
We said our good-byes—doesn't that sound dignified? But her mask was still on and her body still convulsing. Good-byes reduced my affable stepfather to wracking sobs; good-byes sent me and my sister falling to the floor beside our mother's deathbed. We held a phone up to my mother's ear so she could hear one of my brothers shout his good-bye over the whir and thump of the oxygen machine, while we tried desperately to get my other brother on the phone.
. . .
Then my mother was ready. The mask came off, she held tight to our hands, and the morphine went in. Her grip slackened. My mother was still alive, in there somewhere, beyond our reach. Was she in pain? We don't know. She couldn't talk to us now, or focus on us, but she was awake, her eyes open. She gasped for breath, again and again, and we sat there, traumatized, waiting for her heart to stop, waiting for the very first sound that I had ever heard—my mother's heart beating—to go silent.
. . .People must accept death at "the hour chosen by God," according to Pope Benedict XVI, leader of the Catholic Church, which is pouring money into the campaign against I-1000.
The hour chosen by God? What does that even mean? Without the intervention of man—and medical science—my mother would have died years earlier. And at the end, even without assisted suicide as an option, my mother had to make her choices. Two hours with the mask off? Six with the mask on? Another two days hooked up to machines? Once things were hopeless, she chose the quickest, if not the easiest, exit. Mask off, two hours. That was my mother's choice, not God's.
Did my mother commit suicide? I wonder what the pope might say.
I know what my mother would say: The same church leaders who can't manage to keep priests from raping children aren't entitled to micromanage the final moments of our lives.
. . .
If religious people believe assisted suicide is wrong, they have a right to say so. Same for gay marriage and abortion. They oppose them for religious reasons, but it's somehow not enough for them to deny those things to themselves. They have to rush into your intimate life and deny them to you, too—deny you control over your own reproductive organs, deny you the spouse of your choosing, condemn you to pain (or the terror of it) at the end of your life.
The proper response to religious opposition to choice or love or death can be reduced to a series of bumper stickers: Don't approve of abortion? Don't have one. Don't approve of gay marriage? Don't have one. Don't approve of physician-assisted suicide? For Christ's sake, don't have one. But don't tell me I can't have one—each one—because it offends your God.
Fuck your God.
Solange wir nicht selbst entscheiden dürfen, wie wir sterben, leben wir nicht in völliger Freiheit. Kein Staat der Welt hat das Recht, einem Menschen einen würdevollen Tod nach eigenem Willen zu verweigern.
Menschenwürde ist keine Leihgabe eines höheren Wesens, kein geborgtes Gut, das jederzeit entzogen werden kann. Sie ist in uns, unveräußerbar, unser einziger innerer Besitz, von der Geburt bis aufs Sterbebett.
Freitag, 10. Oktober 2008
This is what they'll say of him: He started the fire. And he didn't fight it.
Misstrauen, Panik, Rufmord sind die Waffen des sterbenden Soldaten.
Der Plan hat keine Aussicht auf Erfolg. Er ist doppelt moralisch bankrott, weil McCains Kampagne die Gefahr für Obamas Leib und Leben in Kauf nimmt, obwohl sie selbst nicht glauben, dass das Spielen mit Furcht und Hass ihnen den Sieg bringen kann. Wo dann ist der Vorteil, wo ist der geringste Krümel eines Nutzens, der erlauben würde, diese abartige Demagogerie gerechtfertigt zu nennen geschweige denn verantwortungsbewusst?
John McCains über Jahrzehnte gehegter Ruf als ehrlicher Streit für Gerechtigkeit ist verdorben, ein Opfer von McCains eigener Machtgier und Blindheit. Dies ist McCains letzte Chance, das Richtige zu tun. Vorzutreten und "Stop" zu sagen. "Stop, das geht zu weit. Barack Obama ist ein ehrenwerter Mann. Er ist mein politischer Gegner - Er ist nicht unser Feind. Er liebt Amerika wie ich Amerika liebe und wie ihr Amerika liebt."
Wenn er jetzt nicht spricht, wird John McCain nicht als Opfer in die Geschichte eingehen, sondern als Täter.
Montag, 6. Oktober 2008
Emannzipation
Schilt and Wiswall found that women who become men (known as FTMs) do significantly better than men who become women (MTFs). MTFs in the study earned, on average, 32% less after they transitioned from male to female, even after the authors controlled for factors like education levels. FTMs earned an average of 1.5% more.
Mann-zu-Frau Transsexuell sind hingegen gut beraten, das Geld für die Operation vor dem Eingriff zu verdienen. Denn nach einer 1/3 Gehaltskürzung können sie die OP ganz bestimmt nicht mehr bezahlen.
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Nichtraucherschutz
Können wir offen reden? Ich warte gespannt darauf, dass wir die Anti-Nikotin Gesetze zum Standardvorgehen gegen alle gesundheitschädigende Produkte machen. Die Möglichkeiten für Motive sind endlos. Wo sind die Fotos von 200 Kilo Schwabbelärschen und speckigen Blubberbäuchen auf Chipspackungen? Von offenen Operationen an fettverstopften Herzaterien auf der McDonalds Tüte? Von einer an der Windschutzscheibe zerschmetterten Fußgängerleiche auf der Bierpulle? Wenn wir schon dabei sind lassen wir P.E.T.A. die Fleischtheke im Supermarkt mit Collagen von Tierkadavaern schmücken und aus Fairness gegenüber Abtreibungsgegnern geht die Pille nur noch mit Aufklebern von getöteten Föten über die Apotheke.
Nun?
Ich verstehe doch richtig, dass es nicht darum geht, die Menschen zu informieren, sondern darum, es ihnen unmöglich zu machen, wohlbekannte doch unangenehme Fakten beim Einkaufen aus dem Gedächtnis zu verbannen. Denn Raucher sind informiert. Sie haben die Möglichkeit, sich über die Folgen von Rauchen aus vielen verschiedenen Quellen zu informieren. Das ist alles, das Demokratie verlangt: Die Möglichkeit, informiert zu handeln. Ach ja, und die Freiheit, dass zwei Menschen aus ein und derselben Information zwei verschiedene Schlüsse ziehen. Freiheit bedeutet die Freiheit, schlechte Entscheidungen zu treffen. Denn die Freiheit, nur gute Entscheidungen zu treffen, ist überhaupt keine Freiheit.
Als ein erwachsener Mensch, der in seinem Leben nie einen einzigen Zug von einer Zigarette genommen hat, ist es Zeit die Grenze zu ziehen: Raucher haben ein Recht auf eine persönliche Entscheidung. Und ich als Nichtraucher habe das Recht, beim täglichen Einkauf vorm Terror durch pornographische Abschreckbildchen geschützt zu werden.
Über die Bedeutung unregelmäßiger Bloggertivität
Gestern kehrte eine verloren geglaubte Geschichte zu mir zurück.
Lange Stillephasen sind gute Omen.
