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Dienstag, 4. November 2008

A More Perfect Union

Chipstüte in der rechten Hand, Fanta in der linken - alles ist perfekt vorbereitet um die US-Wahlnacht live mit den Zehen auf der Tastatur mitzutippen.

(23:47 Uhr) Es begann auf den Plantagen Amerikas und es führt uns über den Sohn eines Schwarzen - geboren in eine Zeit als Kinder Afrikas aus freiem Willen in die USA zogen, angelockt durch Amerikas Versprechens für die Zukunft, trotz der dunklen Erbsünde ihrer Vergangenheit - schlussendlich in das Weiße Haus. Gewinnt Barack Obama die Präsidentschaft, ist dies das Ende der Geschichte? Ja. Es wird auch danach noch Spannungen geben, so wie in einem Liebesfilm die nächste Auseinandersetzung direkt nach dem Abspann lauert und die wirklichen Probleme erst nach der Hochzeit anfangen. Aber dies ist der Kuss. Der erste, letzte, wunderbare, alles versöhnende Kuss.

(1:01) Erste Wahlsiege des Abends. Vermont für Obama und Kentucky für McCain. So weit, so vorhersehbar.

(1:58) CNN gibt South Carolina an John McCain. Aber wir kennen den Präsidenten der Herzen: Stephen Colbert.

(2:02) Die große Westliche Welle. Obama räumt die Küste ab, mit Massachusetts 12 Wahlmännern, Illinois 21, Conneticuts 7, New Jerseys 15, Maines 4, Delawares 3, Marylands 10 und D.C.s 3. McCain tröstet sich mit Oklahomas sieben Wahlmännern. Florida und Pennsylvania sind die großen Preise die in der Schwebe hängen.

(2:06) MSNBC spricht Pennsylvania Obama zu. CNNs Karte stimmt optimistisch. Florida schaut ebenfalls gut für das blaue Team aus, aber niemand wagt nach 2000 noch Florida früh für eine Partei zu projezieren. Dies könnte der frühe Todesschuss für McCains Kampagne sein.

(2:20) Lo, there do I see the line of my people back to the beginning. Barack Obamas Großmutter füllte vor ihrem Tod ihren Wahlzettel aus. Ihre Stimme wird gezählt werden.

(2:31) Zweimal ist genug. New Hampshire verweigert McCain das dritte Comeback nach den republikanischen Vorwahlen 2000 und 2008 und entscheidet sich für Barack Obama. Du hättest es wie Hillary machen sollen und eine Träne rausdrücken, John.

(2:40) CNN schiebt Pennsylvania ebenfalls in Obamas Ecke. Das war's fast schon. McCain könnte jetzt spontan einen Herzanfall erleiden, verbunden mit einem Neuausbruch seines Hautkrebses, sich mit Benzin übergießen, in Brand stecken, aus dem Fenster eines Hochhauses in einen Kampfhelikopter springen, der ihn nach Afghanistan fliegt, wo er alleine und unbewaffnet in die pakistanische Grenzregion vorstößt um Osama Bin Laden mit eigenen Händen zu erwürgen und seinen Kopf nach Amerika zu bringen ... und seine Chancen das Unternehmen zu überleben stünden höher als seine Chancen das Präsidentschaftsrennen zu gewinnen.

(3:05) Blau, blau, blau sind alle meine Staaten. Arizona, die Heimat von John McCain, ist ein enges Rennen, zu eng um einen Sieger zu benennen.

(3:28) Ohio goes Obama. Mit Ohiobama und Pennsylvania im Sack sind die magischen 270 (und mehr) nur eine Frage der Zeit für Präsident Barack O.

(3:46) New Mexicobama! Und Florida so gut wie für Obama, obwohl sich noch keiner traut es laut auszusprechen. Es gibt keinen Weg mehr für McCain auf 270 zu kommen.

(4:12) Kommentar des Abends vom Republikaner Bill Bennett auf CNN: "All we need is 9 votes on the Supreme Court and we can pull this one off."

(4:58) Obama gewinnt Virginia. Einen Staat, in dem er als Bastard geboren worden wäre, weil Ehen zwischen Weißen und Schwarzen nicht anerkannt wurden. Vom Bastard ins Weiße Haus.

(4:59) 60 Sekunden bis Geschichte passiert.

(5:00) Barack Obama ist zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.

(5:04) Yes, we can. (dance in the streets, hug the world, and wipe the tears from our eyes)

(5:05) Signed. Sealed. Delivered. He's yours, America. He's yours.

(5:19) McCains Anhänger: abscheulich bis zum Schluss.

(5:30) McCain ist eine traurige Figure vor den hässlichsten Splittern einer zerschlagenen Partei.

Und jetzt zur Feier. Obamas redet.

"While we breathe, we hope."

Dienstag, 16. September 2008

Barack W. Obama

Die folgenschwerste deutsche Fehleinschätzung Barack Obamas: Dass unter Präsident Obama die Kriegstreiberei der Bush-Ära beendet sein wird.

Der republikanische Gegenkandidat, John McCain, ist ein Mann des Militärs und ein Mann Israels und Georgiens. Doch auch Obama ist kein Pazifist. Seine kriegerischen Aktionen werden allerdings überlegt sein, wo McCain impulsiv entscheidet, klüger und kompetenter geführt. Es ist nur die Frage, ob deutschen Obama-Fans nicht selbst zu einem gut geführten Krieg das Herz und der Wille fehlt.

Christopher Hitchens schreibt über eine drohende Auseinandersetzung mit Pakistan:

Barack Obama has, if anything, been the more militant of the two presidential candidates in stressing the danger here and the need to act without too much sentiment about our so-called Islamabad ally. He began using this rhetoric when it was much simpler to counterpose the "good" war in Afghanistan with the "bad" one in Iraq. Never mind that now; he is committed in advance to a serious projection of American power into the heartland of our deadliest enemy. And that, I think, is another reason why so many people are reluctant to employ truthful descriptions for the emerging Afghan-Pakistan confrontation: American liberals can't quite face the fact that if their man does win in November, and if he has meant a single serious word he's ever said, it means more war, and more bitter and protracted war at that—not less.

Die US Armee in Afghanistan hat begonnen Sonderkommandos über die pakistanische Grenze zu schicken, um Al Quaida Truppen, die in den dortigen Berglanden Lager aufgeschlagen haben, zu verfolgen. Auch ohne Genehmigung Pakistans. Pakistan genehmigte im Gegenzug das Feuern auf US-Soldaten. Letzten Montag wurde ein US-Angriff auf ein Dorf für zivile Opfer auf pakistanischem Territorium verantwortlich gemacht. Die amerikanische Regierung stritt die Anschuldigungen ab. Heute, auf den Tag genau eine Woche später, eröffneten pakistanische Truppen angeblich das Feuer auf einen US-Helikopter. Beide beteiligten Regierungen leugnen den Zwischenfall.

Die Autorisation für die Einsätze in Pakistan wurde von George W. Bush erteilt. Von dem ist man überhastete Eskalation gewohnt. Allerdings hat er sich diesmal Zeit gelassen. Die Forderung nach Einsätze gegen Al Qaeda Ziele in Pakistan wurde vor mehr als einem Jahr erstmals öffentlich gestellt: von Barack Obama. McCain kritisierte Obama dafür als naiv.

Die Wahl zwischen Obama und McCain könnte nicht auf die Wahl zwischen Krieg und Frieden hinauslaufen. Möglicherweise entscheidet die Wahl am Ende nur den Schauplatz des Krieges.

McCain hat noch den Kalten Krieg im Kopf und, das hat der Georgien Konflikt gezeigt, wäre nicht abgeneigt ihn aufzuwärmen. Und er wird ein Auge und ein paar Raketen auf den Iran richten. Die Mittel und Prioriäten sind von Bush wohlbekannt.

Unter Barack Obama verlöre Iran den Rang als unangefochtene Hauptbedrohung und würde zusammen mit Nord Korea in die zweite Reihe wandern. Diplomatie wäre die bevorzugte Waffen, das Problem in den Griff zu kriegen. Dafür rückt Pakistan in den Mittelpunkt, als Konsequenz daraus, den Krieg vom Irak nach Afghanistan zu verlagern, wo Obama das Herzstück von Osama Bin Ladens Al Qaeda identifiziert zu haben glaubt. Dies ist der Ort, an dem der Kampf gegen die Terroristen gefochten werden muss.

Der Konflikt im Nahen Osten wird weiter brennen. Egal wen die amerikanischen Wähler ins Weiße Haus heben. Das ist in der Region bekannt. Nicht ohne Grund liebäugelt Israel mit dem Gedanken, innerhalb der nächsten Monate präventive Raketenangriffe auf iranische Ziele durchzuführen. Schnell, bevor ein neuer Präsident im Amt ist. Solange Bush im Oval Office sitzt ist Rückendeckung garantiert. Bevor Obama den Fokus auf Pakistan umschwenkt und damit als starker Partner gegen Iran für Israel fehlt.

Ein Abzug von Truppen aus dem Irak oder ein Truppenaufmarsch in Afghanistan. Wo ist der Unterschied?

Die Deutschen erhoffen sich die Wahl Obamas zum Präsidenten auf eigene Gefahr. Ja, er sprach sich als Senator gegen den Irak Krieg aus. Aber wie Obama schon damals sagte: Er ist nicht prinzipiell gegen Krieg. Er ist nur gegen dumme Kriege.

Wenn ein Präsident Obama von Deutschland Hilfe für einen Krieg erbittet, könnte es ein wohlüberlegter Krieg sein. Dummerweise wird es das der Bundesregierung um einiges schwerer machen, Hilfegesuche an die Bundeswehr abzulehnen, als unter Präsident George W. Bush.

Freitag, 29. August 2008

Platz, Biden, Platz!

Die bleibende Erinnerung des 2004 Rennens ist die VP Debatte. Dick Cheney zerfleischte den süßen Schuljungen John Edwards. Es war wie der Kampf Bulldogge gegen Baby; nur schöner.

Obamas VP Pick ist auch so ein harter Hund. Joe Biden ist ein Beißer. Er knurrt und fletscht die Zähne und schnappt zu. 2008 sollte 2004 mit vertauschten Rollen werden. Ein bisschen Genugtuung und ganz viel Genuss. Der demokratische VP Kandidat frisst sein republikanisches Opfer und spuckt nur einen Knochen aus. Schon vor der Debatte war McKains VP totes Fleisch. Egal wen McCain wählt, er konnte nur verlieren.

Also wählte McCain Sarah Palin und gewann.

Biden kann nur aggressiv. Aber gegen eine fünffache Mutter die ein Baby mit Down Syndrom groß zieht geht aggressiv nicht. Dann steht Mann nicht als Alpha-Tier dar, sondern als Frauenschläger. Wenn Bestie Biden schon zerfleischt, wen man ihm vorsetzt, soll es am besten eine Frau sein, damit Biden wie ein Macho-Arschloch wirkt, so das Kalkül.

Besten Dank, McCain, mit der Wahl hast du mir ein Highlight der Kampagne ruiniert. Und ich hab' mich so drauf gefreut. Spielverderber.

Die VP Debatte ist durch den Schachzug für die Republikaner gerettet. Aber ist es möglich, dass McCain seine Dame in eine gute Position zieht, nur damit im nächsten Zug sein Gegner "Schach Matt!" erklärt?

Um in der VP Paarung die Oberhand zu behalten, lässt McCain sich in der Präsidentschaftsfrage in die Ecke drängen. Im Austauch für eine VP Debatte könnte McCain sich für die Hauptdebatten selbst ausgekontert haben. Der Hauptangriffspunkt gegen Obama, dessen mangelnde Erfahrung, ist vom Tisch.

Wer Erfahrung als wichtige Qualifikation sieht, wählt als seine Nummer Zwei nicht die jüngste Gouverneurin der USA und dann auch noch des bevölkerungsärmsten Staates, die kürzer im Amt ist als Obama Senator. Selbst gemessen an McCains eigenen, von seinen langweiligen, monotonen Reden, gesetzten Standards werden die Worte hohl klingen, wenn er sagt: Es ist ein zu großes Risiko meinen unerfahrenen Gegner ins Weiße Haus zu senden. (Aber dass eine unerfahrene Vizepräsidentin nur einen Herzschlag vom gleichen Amt entfernt ist, ist kein Risiko!) Und wenn McCain Obama das nächste Mal als elitäre Berühmtheit darstellt, die mehr Schein als Sein ist, muss Obama einfach das Vogue Hochglanzmagazin mit der ehemaligen Schönheitskönigin Sarah Palin auf dem Cover zücken.

Obama hat McCains Attacke gegen ihn mit seiner gestrigen Nominierungsrede pariert und den Republikaner entwaffnet. Heute hat McCain seinen Degen vom Boden aufgehoben und sich damit selbst aufgespießt.

Die Inexperienced/Celebrity Angriffe sind tot und beerdigt. Sarah Palin hilft die Erde aufs Grab zu schaufeln.