Als ein Götzen verehrender Heide muss ich mich kurz zu Wort melden.
Es spricht einiges dafür, sich nicht allein von der Gier nach Geld, Macht und Wissen leiten zu lassen. Anderseits hat es auch durchaus Vorteile nicht arm, hilfslos und dumm zu sein.
Wer das gesunde Bedürfnis verspürt, aus dem trivialen Alltag auzubrechen, und sich auf Sinnsuche zu begeben, aber zu faul oder zu feige ist, sich den Anstrengungen und unschmeichelhaften Einblicken der Selbsterkenntnis auszusetzen, für den ist ein vorgefertigtes spirituelles Glaubensgebäude ideal. Und auf dem Markt besitzen Religionen Monopolstellung. Die Nachfrage könnte problemlos von säkularen Stellen bedient werden, wenn es sie gäbe und sie dort, wo es sie gibt, nicht noch schlechter, auf keinen Fall aber viel besser, als geistliche Angebote, ausfielen. Nicht weiter schlimm. Religiöse Institutionen sind als Einstieg nicht total mies, solange sie nicht zum Endpunkt werden, sondern man den Absprung rechtzeitig wagt. Es geht schließlich darum, sich selbst zu Entdecken, nicht die Meinung einer 81-jährigen verknitterten Jungfrau.
Wenn man will, kann man aus der Kirche viel mitnehmen, für sich und die Menschheit, das es wert ist, aus dem Schraubstock des Dogmas gerettet zu werden. Es steckt viel Schönes im Glauben - Kunst, Architektur, Poesie, Musik - das die menschliche Seele zutiefst berührt und zu ihr spricht. Und für sie spricht! Für die Kraft und Weisheit und Empfindsamkeit unseres gemeinsamen Wesens. Und wir benötigen diesen Teil, der für das Beste in uns Partei ergreift, als Gegenstimme zu den Gräueln und Verbrechen der Spezies, die das Schlechte in uns bezeugen. Dieses Schöne muss in unseren Herzen überdauern, oder es ergibt keinen Sinn, irgendetwas anderes, das wir erbauen, zu bewahren.
Gut möglich, dass die trauernde Mutter ein Recht auf Trost besitzt so wie das todkranke Kind ein Recht auf Hoffnung, ganz gleich ob wahr oder falsch, und dass diesesAnrecht das Recht eines anderen Menschen, es ihnen zu nehmen bei weitem übersteigt.
Menschen sollen trauern. Menschen sollen beten. Behaltet all die guten Dinge bei. Aber kettet sie nicht mit Handschellen an nutzlose Dogmen. Sagt einer von Leid zerrissenen Familie, die ihren Vater, Ehemann, Sohn, Bruder und Freund auf rituelle Art bestatten möchte, um bedeutungsvoll Abschied zu nehmen und mit der Heilung zu beginnen, sagt ihr nicht, dass sie gleichzeitig auch die Lehre von der unbefleckten Empfängnis zu akzeptieren habe und dass Kondome Sünde seien. Das ist schäbig, scheußlich, unmenschlich und ein Frevel.
Tatsächlich ist das die Richtung, in der sich Katholiken bewegen. Und der Grund, warum der Papst sich aufregt. Seine Feinde sind nicht gottlose Heiden, die er von den fremden Götzen sowieso nicht mehr losreißen wird. Seine Feinde sind die Gläubigen, die sich aus 2000 Jahren Kirchentradition ganz undogmatisch nur die für sie nützlichen Punkte herauspicken. Das, was sie zum Leben brauchen, ohne den ganzen Ballast drumherum. Es ist ein Kampf, den alle Religionen in einer aufgeklärten Gesellschaft durchleben, und es ist für die Kirche ein aussichtsloser Kampf: Die Demokratisierung des Glaubens gegen den Alleinherrschaftsanspruch der Autorität. Pluralismus gegen Papst.
In dieser Hinsicht sind weichgespülte Kirchgänger der goldenen Mitte näher als radikale Atheisten, auch wenn beide letzten Endes nach der gleichen Balance streben. Der Feelgood Gläubige legt nutzlose, überholte Lehren nach und nach ab, und konzentriert sich auf das für ihn Wesentliche, wenngleich er immer noch anfällig dafür ist, die Wichtigkeiten zu verwechseln, zum Beispiel Moralpredigten anstelle von Meditation. Der reaktionäre Atheist andererseits hat das Jesus-Baby mit dem Badeweihwasser ausgeschüttet, indem er schädliche Dogmen nicht von hilfreichen Ritualen, Feierlichkeiten und Wundersamen unterschied. Der Weg zurück in ein von Schönheit und Andacht und Hoffnung erfülltes Leben mag für ihn schwieriger sein als für den religiösen Menschen, der nach und nach den Glauben an Gott verliert und einen Glauben an sich selbst, seine Mitmenschen und die Welt findet.
Die bessere Predigt, hätte Ratzinger gewollt, dass die Menschen sich fühlen wie Gott in Frankreich oder wie im Himmel auf Erden, müsste viel kürzer so lauten:
Du entscheidest frei, was dir im Leben wertvoll ist. Und mir gestehst du das Recht zu, das gleiche ganz allein für mich zu entscheiden.
Amen.
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Montag, 15. September 2008
Sonntag, 14. September 2008
Homos sind normal - Katholizismus ist wider die Natur
Wie der Zufall so spielt lief im Fernsehen die Wiederholung der letzten Maischberger, in der Kardinal Joachim Meisner erklärte, Gott habe den Menschen als Mann und Frau und nicht als Schwule und Lesben geschaffen, als ich im Internet auf das neueste Glied in einer langen Kette von Indizien stieß, die nahelegen: Menschen werden homosexuell geboren. Aus dem Salon Interview zur Studie:
Gott erschuf den Mensch als Mann und Frau, als Mann und Frau erschuf er ihn, und nur um die Sache mit dem Sünden schwerer zu machen und Kardinäle in Erklärungsnöte zu bringen baut er manchmal das falsche Hirn in den verkehrten Körper beim Erschaffen.
Meisners Anspruch als moralische Führungsperson fußt auf seinem Kampf als ostdeutscher Bischof gegen die Fremdbestimmung des Individuums durch den kommunistischen Staat, doch die Kirche ersetzt die autoritäre Herrschaft des Menschen über andere Menschen durch die autoritäre Herrschaft Gottes über Menschen, ausgeführt allerdings von Menschen, die als Stellvertreter der abstrakten Autorität sprechen. Aber die höhere Macht ist in Meisners Weltanschauung unverzichtbar, weil man dem Menschen nicht zutraut, der Herr seines eigenen Schicksals, Bestimmer seines eigenen Körpers, Fäller seiner eigenen Entscheidungen zu sein. Salman Rushdie:
Obwohl Rushdie eigentlich über islamistische Terroristen sprach, trifft die Beschreibung genau so auf die innere Weltsicht von Katholiken wie Meisner und Ratzinger zu. Das würde wenig Schaden anrichten, wenn sich Menschen nicht tatsächlich zu unterschiedlichen Grade nach Fremdbestimmung sehnen würden. Wenn die katholischen Vorschriften zu Verhütung und Sexualität der Fremdbestimmung zuviel sind, gibt es die bequemere Option in Form vager Versprechungen sein Leben in die Hände des Universums zu legen. "Ich bin keine religiöse Person, aber ich bin eine spirituelle Person" ist die geheime Losung dafür. Rushdie im gleichen Interview:
Leider würde es nichts helfen. Tatsächlich existiert bereits ein Berufszweig, der den gleichen Markt bedient wie sonst Geistliche, Kartenleger oder Naturheilkundler, nur ohne das spirituelle Element. Sie nennen sich Life Coaches. Säkulare Scharlatane. Professionelle Händchenhalter für Menschen, die ein freud- und freundloses Leben führen. Ich scheue ein wenig die Opfer, entschuldigung, Kunden von Life Coaches als arme Seelen hinzustellen, allerdings werden sie wenn der Life Coach mit ihnen fertig ist zumindest immer noch ein bisschen ärmer sein als vorher.
Da wollen gestresste Geschäftsleute lernen, wie sie ihre Zeit effektiver nutzen, und gehen dafür dreimal in der Woche für je eine Stunde zum Zeitmanagmenttrainer. (erste Lektion: Geh nicht zum Zeitmanagmenttrainer! In den drei Stunden kann man eine Menge anderes Zeug geregelt kriegen.) Da bezahlen Kleinverdiener 500 Euro im Monat für einen Life Coach, damit er sie berät, wie sie ihre Finanzen besser handhaben. Und geschlechtsreife junge Frauen und Männer knuddeln sich auf Kuschelparties zwischen schwitzenden Dicken und gammeligen Sozialaussätzigen die Lust auf Sex aus dem Leib.
Es ist so absurd wie die größten Absurditäten von Religion und Spiritualität und es funktioniert nach dem gleichen Muster wie Reiki & Co: Praktizierende denken sich ihre eigenen Qualifikationen aus, können sich gegen eine kleine (große) Gebühr mit einem professionell klingendem Titel schmücken der sich nach viel mehr Kompetenz anhört als die 10-15 Stunden Ausbildung im Wochenendskurs vermittelt, und dürfen dann ihrerseits Neueinsteiger in den ersten Rang ihrer Meisterschaft einweisen - gegen Bezahlung. Und meistens erzählen sie ihren Kunden nichts, das der Kunde nicht selbst bereits wusste oder ein guter Freund hätte besser gesagt.
Es ist der einzige Dienstleistungs-Beruf der Welt, in dem man dafür bezahlt, keine Dienstleistung zu liefern.
Das wirklich Erzürnende? Der Stundenlohn dieser Scharlatane ist höher als der, der meisten Prostituierten. Und die Mädels leisten wenigstens richtige Arbeit.
A research team (...) obtained MRIs for 90 adult volunteers -- 25 straight men, 25 straight women, 20 gay men and 20 lesbians. Using the latest quantitative techniques for assessing cerebral symmetry and functional connections between various areas of brain, Savic was able to demonstrate highly statistically significant differences between straight and gay brains. Gay and lesbian brains more closely resembled the brains of straight volunteers of the opposite sex than the brains of heterosexual members of the same sex.
Gott erschuf den Mensch als Mann und Frau, als Mann und Frau erschuf er ihn, und nur um die Sache mit dem Sünden schwerer zu machen und Kardinäle in Erklärungsnöte zu bringen baut er manchmal das falsche Hirn in den verkehrten Körper beim Erschaffen.
Meisners Anspruch als moralische Führungsperson fußt auf seinem Kampf als ostdeutscher Bischof gegen die Fremdbestimmung des Individuums durch den kommunistischen Staat, doch die Kirche ersetzt die autoritäre Herrschaft des Menschen über andere Menschen durch die autoritäre Herrschaft Gottes über Menschen, ausgeführt allerdings von Menschen, die als Stellvertreter der abstrakten Autorität sprechen. Aber die höhere Macht ist in Meisners Weltanschauung unverzichtbar, weil man dem Menschen nicht zutraut, der Herr seines eigenen Schicksals, Bestimmer seines eigenen Körpers, Fäller seiner eigenen Entscheidungen zu sein. Salman Rushdie:
You see, fundamentalists believe that we don’t believe in anything. In their view of the world, they are in possession of absolute certainties, while we are descending into decadence.
Obwohl Rushdie eigentlich über islamistische Terroristen sprach, trifft die Beschreibung genau so auf die innere Weltsicht von Katholiken wie Meisner und Ratzinger zu. Das würde wenig Schaden anrichten, wenn sich Menschen nicht tatsächlich zu unterschiedlichen Grade nach Fremdbestimmung sehnen würden. Wenn die katholischen Vorschriften zu Verhütung und Sexualität der Fremdbestimmung zuviel sind, gibt es die bequemere Option in Form vager Versprechungen sein Leben in die Hände des Universums zu legen. "Ich bin keine religiöse Person, aber ich bin eine spirituelle Person" ist die geheime Losung dafür. Rushdie im gleichen Interview:
SPIEGEL: Perhaps not, but many people seem to need a god. Religions worldwide are experiencing a comeback. Striving for spirituality is more pronounced than ever. Is this a negative development in your opinion?
Rushdie: Yes.
SPIEGEL: That’s a clear answer. But also offensive to many people.
Rushdie: In my opinion the word “spiritual” ought to be put on an index and banned from being used for say 50 years. The things that are put about as being “spiritual” -- it’s unbelievable. It even goes as far as a spiritual lap dog and a spiritual shampoo.
Leider würde es nichts helfen. Tatsächlich existiert bereits ein Berufszweig, der den gleichen Markt bedient wie sonst Geistliche, Kartenleger oder Naturheilkundler, nur ohne das spirituelle Element. Sie nennen sich Life Coaches. Säkulare Scharlatane. Professionelle Händchenhalter für Menschen, die ein freud- und freundloses Leben führen. Ich scheue ein wenig die Opfer, entschuldigung, Kunden von Life Coaches als arme Seelen hinzustellen, allerdings werden sie wenn der Life Coach mit ihnen fertig ist zumindest immer noch ein bisschen ärmer sein als vorher.
Da wollen gestresste Geschäftsleute lernen, wie sie ihre Zeit effektiver nutzen, und gehen dafür dreimal in der Woche für je eine Stunde zum Zeitmanagmenttrainer. (erste Lektion: Geh nicht zum Zeitmanagmenttrainer! In den drei Stunden kann man eine Menge anderes Zeug geregelt kriegen.) Da bezahlen Kleinverdiener 500 Euro im Monat für einen Life Coach, damit er sie berät, wie sie ihre Finanzen besser handhaben. Und geschlechtsreife junge Frauen und Männer knuddeln sich auf Kuschelparties zwischen schwitzenden Dicken und gammeligen Sozialaussätzigen die Lust auf Sex aus dem Leib.
Es ist so absurd wie die größten Absurditäten von Religion und Spiritualität und es funktioniert nach dem gleichen Muster wie Reiki & Co: Praktizierende denken sich ihre eigenen Qualifikationen aus, können sich gegen eine kleine (große) Gebühr mit einem professionell klingendem Titel schmücken der sich nach viel mehr Kompetenz anhört als die 10-15 Stunden Ausbildung im Wochenendskurs vermittelt, und dürfen dann ihrerseits Neueinsteiger in den ersten Rang ihrer Meisterschaft einweisen - gegen Bezahlung. Und meistens erzählen sie ihren Kunden nichts, das der Kunde nicht selbst bereits wusste oder ein guter Freund hätte besser gesagt.
Es ist der einzige Dienstleistungs-Beruf der Welt, in dem man dafür bezahlt, keine Dienstleistung zu liefern.
Das wirklich Erzürnende? Der Stundenlohn dieser Scharlatane ist höher als der, der meisten Prostituierten. Und die Mädels leisten wenigstens richtige Arbeit.
Donnerstag, 12. April 2007
Papst sagt: Glaubt nichts, das nicht bewiesen ist!
Anscheinend kommt der Papst in einem neuen Buch "Evolution und Schöpfung" zu Wort und versetzt die Kirche um 11 Jahre zurück in die Vergangenheit in die Zeit bevor Johannes Paul II. Evolution als "mehr als eine Hypothese" anerkannte. Jetzt ist Evolution wieder unbewiesen und wird auch ewig unbewiesen bleiben und deswegen kann wissenschaftliche Erkenntnis religiöse Wahrheit niemals verdrängen, sagt der oberste Kopf der Kirche von dem Typ mit Bart, dessen Existenz unbeweisbar ist. Bisher hat der Buchverlag nur wenige Schnipsel der Diskussion veröffentlicht, aus denen alle Newsmeldungen vom Guardian bis zum Spiegel zusammengeklebt sind, desshalb ist der volle Umfang von Benedikts Repositionierung unbekannt, aber was der Papst über eine wissenschaftliche Theorie zu sagen hat ist letzten Endes HERRlich irrelevant - doch interessant! Religion ist ein faszinierendes Feld und ihr Verteidigungsreflex wenn Wissenschaft sie mit dem Konzept von Beweispflicht konfrontiert faszinierendes Anschauungsmaterial.
Benedikt ist gesitteter als die meisten Kreationisten, selbst falls seine Kritikpunkte an der Evolutionstheorie mit denen der Fanatiker eine Seite teilen.
Papst Benedikt war einst Professor Ratzinger. Wenn er, statt von der Kanzel zu predigen, vom Podium argumentiert, geschieht das mit sanfter Stimme und in behutsamen Schritten. Der Papst behält die heiligen Puschen auch in den sekulären Hallen der Wissenschaft an, um den Lärm zu dämpfen, denn Benedikt bevorzugt für große Sachen die leisen Töne. Aber er kennt die akademischen Gepflogenheiten, und wo Papst Johannes Paul II. vor der Evolutionstheorie den Weg räumte, glaubt Benedikt mehr Raum für Gott aushöhlen zu können als sein Vorgänger.
Benedikt ist Papst und er dient einem Gott der Lücken. Es ist seine heilige Pflicht, neue Lücken zu finden, in die sein Gott schlüpfen kann. Wissenslücken gehören dazu. Religion dreht sich halt darum, Löcher mit Glauben zu stopfen bevor man sie mit Vernunft füllen kann. In der Seele der Menschen klafft eine tiefe, dunkle Leere, in die Religion wie maßgeschneidert gleitet.
Wissenschaft befasst sich auch mit dem Füllen von Lücken. Das macht sie ganz wacker. Nur hin und wieder stolpert sie auf ein Loch, in das sich Religion bereits nieder gelassen hat. Dann kloppen die Klötze sich darum, wer besser in die Form passt.
1980 befand JPII es existiere kein Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glauben. 2007 beansprucht Benedigt Boden zurück, den sein Vorgänger verloren gab: Es gibt Bereiche, in denen muss der Glaube der Wissenschaft widersprechen, aber in keinem Punkt widerspricht Wissenschaft dem Glauben.
Wissenschaft kennt drei Arten von Fragen: 1) Fragen, die die Wissenschaft beantworten kann, 2) Fragen, die die Wissenschaft (noch) nicht beantworten kann, 3) Fragen, die die Wissenschaft nicht beantworten will. Religion unterscheidet zwei Kategorien: Fragen, die ihr wichtig sind, und Fragen, die ihr am Arsch vorbeigehen. Es wird gerne vorgeschlagen, dass Religion und Wissenschaft sich nicht gegenseitig ausschließen, weil sie verschiedene Fragen beantworten: Die Wissenschaft das Wie und die Religion das Warum.
Da ist sie wieder, die Sache mit Glauben gegen Wissen. Leute glauben, es könnte so funktionieren, aber es ist unbewiesen. In der Realität beantwortet Religion gerne und häufig Fragen zum Wie, ganz egal ob es dem wissenschaftlichen Forschungsstand widerspricht oder nicht. Religion ist daran gewöhnt, grundsätzliche alle Fragen zu beantworten, für die niemand sonst eine Antwort hat, und wenn die Kirche sich erst einmal auf eine Antwort fest gelegt hat, gibt man sie schwer auf, selbst wenn plötzlich jemand sonst eine gute, nein, bessere Erklärung anbietet. Alte Angewohnheiten sterben langsamer als Jesus am Kreuz. Wenn Religion Frieden mit Wissenschaft schließen will, ist das ziemlich klug und für Religion uncharakteristisch pragmatisch, denn auf lange Sicht zieht Religion gegen Wissenschaft in allen von der Wissenschaft gefochtenen Feldern den Kürzeren.
Gott kann freie Sitze im weiten Weltenrund warm halten. Aber sobald die Wissenschaft eine Frage beantwortet, bewegt Gott seinen fetten Arsch aus dem Weg. Wie ein Unsichtbarer so viel Sitzfleisch haben kann, begreife ich nie.
Andererseits... fettes Sitzfleisch ist ein wichtiger Überlebensfaktor für Götter. Götter gehorchen immerhin ebenfalls den Gesetze der Evolution (obwohl mir in dem Punkt weder Wissenschaftler noch Theologen zustimmen würden). Götter sind notorisch schlecht im Anpassen, und organisierte Religionen sind noch viel schlechter. Festes Sitzfleisch, um alle Probleme auszusitzen, scheint die primäre Verteidigungsstrategie.
Der Gott der katholischen Kirche ist in der Vergangenheit ziemlich gut darin gewesen, sich an die Spitze der spirituellen Nahrungskette zu setzen. Andere Götter begnügen sich, spezifische Nischen abzudecken, und sterben folgerichtig aus, als die Nischen schwinden. Wer braucht Thor, wenn wir wissen, wie Blitz und Donner wirklich entstehen? Und Ra hat seine Barke eingemottet, weil wir eine bessere Erklärung haben, warum sich die Sonne bewegt. Nicht so Jehova. Der greift sich alles, das zu haben ist, im Bestreben der größte und stärkste Gott am ganzen Block zu sein. Der Stärkste überlebt.
Deswegen ist Gott noch da, auch nachdem die Naturwissenschaft uns gezeigt hat, dass die Welt sich um die Sonne dreht und das Blitze nicht von einem altem bärtigem Mann in den Wolken geschleudert werden. Weil er nicht bloß die kleinen Nischen gefüllt hat, sondern die ganz großen Felder für sich eingenommen, aus denen Wissenschaft ihn niemals vertreiben kann oder will. Der christliche Gott ist nicht ein winziger Gott der Elemente oder der Gestirne oder der Meere. Er ist der Gott des Sinns und der Moral.
Da haben wir die andere Schranke, die Religion, unter anderem auch Benedikt, der Wissenschaft vorschiebt. Dass die Wissenschaft auf die Religion angewiesen wäre, weil ihre moralische Leitung braucht. Der Vorwurf ist, dass ohne Gott keine Grundlage für moralische Urteile existiert.
Und darauf entgegne ich, als Atheist, dass ein 2500 Jahre altes Buch ebenfalls keine gute Quelle für moralische Urteile ist.
Benedikt ist gesitteter als die meisten Kreationisten, selbst falls seine Kritikpunkte an der Evolutionstheorie mit denen der Fanatiker eine Seite teilen.
Papst Benedikt war einst Professor Ratzinger. Wenn er, statt von der Kanzel zu predigen, vom Podium argumentiert, geschieht das mit sanfter Stimme und in behutsamen Schritten. Der Papst behält die heiligen Puschen auch in den sekulären Hallen der Wissenschaft an, um den Lärm zu dämpfen, denn Benedikt bevorzugt für große Sachen die leisen Töne. Aber er kennt die akademischen Gepflogenheiten, und wo Papst Johannes Paul II. vor der Evolutionstheorie den Weg räumte, glaubt Benedikt mehr Raum für Gott aushöhlen zu können als sein Vorgänger.
Benedikt ist Papst und er dient einem Gott der Lücken. Es ist seine heilige Pflicht, neue Lücken zu finden, in die sein Gott schlüpfen kann. Wissenslücken gehören dazu. Religion dreht sich halt darum, Löcher mit Glauben zu stopfen bevor man sie mit Vernunft füllen kann. In der Seele der Menschen klafft eine tiefe, dunkle Leere, in die Religion wie maßgeschneidert gleitet.
Wissenschaft befasst sich auch mit dem Füllen von Lücken. Das macht sie ganz wacker. Nur hin und wieder stolpert sie auf ein Loch, in das sich Religion bereits nieder gelassen hat. Dann kloppen die Klötze sich darum, wer besser in die Form passt.
1980 befand JPII es existiere kein Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glauben. 2007 beansprucht Benedigt Boden zurück, den sein Vorgänger verloren gab: Es gibt Bereiche, in denen muss der Glaube der Wissenschaft widersprechen, aber in keinem Punkt widerspricht Wissenschaft dem Glauben.
Wissenschaft kennt drei Arten von Fragen: 1) Fragen, die die Wissenschaft beantworten kann, 2) Fragen, die die Wissenschaft (noch) nicht beantworten kann, 3) Fragen, die die Wissenschaft nicht beantworten will. Religion unterscheidet zwei Kategorien: Fragen, die ihr wichtig sind, und Fragen, die ihr am Arsch vorbeigehen. Es wird gerne vorgeschlagen, dass Religion und Wissenschaft sich nicht gegenseitig ausschließen, weil sie verschiedene Fragen beantworten: Die Wissenschaft das Wie und die Religion das Warum.
Da ist sie wieder, die Sache mit Glauben gegen Wissen. Leute glauben, es könnte so funktionieren, aber es ist unbewiesen. In der Realität beantwortet Religion gerne und häufig Fragen zum Wie, ganz egal ob es dem wissenschaftlichen Forschungsstand widerspricht oder nicht. Religion ist daran gewöhnt, grundsätzliche alle Fragen zu beantworten, für die niemand sonst eine Antwort hat, und wenn die Kirche sich erst einmal auf eine Antwort fest gelegt hat, gibt man sie schwer auf, selbst wenn plötzlich jemand sonst eine gute, nein, bessere Erklärung anbietet. Alte Angewohnheiten sterben langsamer als Jesus am Kreuz. Wenn Religion Frieden mit Wissenschaft schließen will, ist das ziemlich klug und für Religion uncharakteristisch pragmatisch, denn auf lange Sicht zieht Religion gegen Wissenschaft in allen von der Wissenschaft gefochtenen Feldern den Kürzeren.
Gott kann freie Sitze im weiten Weltenrund warm halten. Aber sobald die Wissenschaft eine Frage beantwortet, bewegt Gott seinen fetten Arsch aus dem Weg. Wie ein Unsichtbarer so viel Sitzfleisch haben kann, begreife ich nie.
Andererseits... fettes Sitzfleisch ist ein wichtiger Überlebensfaktor für Götter. Götter gehorchen immerhin ebenfalls den Gesetze der Evolution (obwohl mir in dem Punkt weder Wissenschaftler noch Theologen zustimmen würden). Götter sind notorisch schlecht im Anpassen, und organisierte Religionen sind noch viel schlechter. Festes Sitzfleisch, um alle Probleme auszusitzen, scheint die primäre Verteidigungsstrategie.
Der Gott der katholischen Kirche ist in der Vergangenheit ziemlich gut darin gewesen, sich an die Spitze der spirituellen Nahrungskette zu setzen. Andere Götter begnügen sich, spezifische Nischen abzudecken, und sterben folgerichtig aus, als die Nischen schwinden. Wer braucht Thor, wenn wir wissen, wie Blitz und Donner wirklich entstehen? Und Ra hat seine Barke eingemottet, weil wir eine bessere Erklärung haben, warum sich die Sonne bewegt. Nicht so Jehova. Der greift sich alles, das zu haben ist, im Bestreben der größte und stärkste Gott am ganzen Block zu sein. Der Stärkste überlebt.
Deswegen ist Gott noch da, auch nachdem die Naturwissenschaft uns gezeigt hat, dass die Welt sich um die Sonne dreht und das Blitze nicht von einem altem bärtigem Mann in den Wolken geschleudert werden. Weil er nicht bloß die kleinen Nischen gefüllt hat, sondern die ganz großen Felder für sich eingenommen, aus denen Wissenschaft ihn niemals vertreiben kann oder will. Der christliche Gott ist nicht ein winziger Gott der Elemente oder der Gestirne oder der Meere. Er ist der Gott des Sinns und der Moral.
Da haben wir die andere Schranke, die Religion, unter anderem auch Benedikt, der Wissenschaft vorschiebt. Dass die Wissenschaft auf die Religion angewiesen wäre, weil ihre moralische Leitung braucht. Der Vorwurf ist, dass ohne Gott keine Grundlage für moralische Urteile existiert.
Und darauf entgegne ich, als Atheist, dass ein 2500 Jahre altes Buch ebenfalls keine gute Quelle für moralische Urteile ist.
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