Posts mit dem Label Nintendo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nintendo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Ein Plädoyer für die Wii

Da ich das Thema Videospiele einmal angeschnitten habe...

10 Gründe Warum Wii Würdig Ist

Ich bin kein Zocker. Ich bedarf keiner unnachgiebigen Diät von einem Spitzenspiel per Monat, oder einem neuen Titel per Woche. Zehn Spiele, die das Hobby in seiner Fülle zelebrieren, die Grenzen des Mediums ausloten, Innovationen wagen und Revolutionen starten, und zu denen ich Jahre später mit der gleicher Freude zurückkehre, die ich verspürte, als die Disc zum ersten Mal in Laufwerk summte, sind mir über die Lebenszeit einer Konsole gerechnet mehr als genug. Nicht dass ich es im Einzelfall nachgerechnet hätte, aber mich würde überraschen, wenn die meisten Konsolen auf zehn Spiele kommen.

Hier die Liste der Gründe, warum die Wii Next Generation-er als die Next Generation ist.


1. Wii Sports

Wii Sports begann als Controller-Demo, bevor Nintendo feststellte, dass geladene Pressevertreter soviel Spaß am Spiel fanden, dass man beschloss, Wii Sports jeder verkauften Nintendo Wii beizulegen. Von dort an traten Wii und Wii Sports ihren Siegeszug um die Welt an. Wii Sports ist eine erstaunliche Errungenschaft: Der sehr beinahe grafisch unaufwendigste Multimillionenseller seit Pong mit dem wahrscheinlich astronomischsten Verhältnis von in die Entwicklung investierten Dollars zu eingespültem Vermögen schnitt in die öffentliche Wahrnehmung wie zuvor höchstens die größten Kassenschlager Hollywoods. Das erste Videospiel, das bei den Oscars auftrat. Wii Sports ist Wiis erster Proof of Concept und wäre es der letzte geblieben, wäre doch nicht mehr nötig gewesen, um Nintendos waghalsigen Sprung vorwärts zurück auf Anfang zu rechtfertigen.


2. Pro Evolution Soccer

Es gibt kein besseres Beispiel für das, was ein Wii Spiel darstellen sollte, als Pro Evolution Soccer. Angefangen mit der 2008 Edition der jährlich neu erscheinenden Fußballsimulation stellte Konami ein Team zusammen, dass ausschließlich für die Wii entwickelte und die Freiheit besaß, etablierte Konventionen des Genres über Bord zu werfen, wo sie nicht länger passten oder die Wii bessere Lösungsmöglichkeiten bot. Zu einer Zeit als Fußballspiele auf anderen Konsolen stagnierten, baute das PES Wii Team einen völlig neuen Ansatz um das Potential der Wii Steuerung. Pässe durften, dank dem wie ein Mauszeiger benutztem Cursor, beliebig in den freien Raum platziert werden, nicht-ballführende Spieler wie Männchen in einem Echtzeitstrategiespiel in bessere Position gebracht. Aus einem Zweikämpfe der Superstars betonendem Action-Spiel wurde über Nacht die realistische Abbildung eines Teamsports in allen Finessen des Zusammenspiels und des Rasenschach-artigen Verschiebens von elf Figuren in die von elf anderen Figuren gelassenen Lücken. Die Entwickler von Pro Evolution Soccer für die Wii vollbrachten, was für viele andere Sportarten und Spielgenres hätte vollbracht werden können, aber wenige wagten. Sie erfanden das Spiel neu. PES bietet ein einzigartiges Spielerlebnis, das so nur auf der Wii möglich ist.


3. Super Mario Galaxy

Mario Galaxy ist ein fantastisches, spaßsprudelndes, ideenschäumendes Abenteuer in einer bunten, quietschfidelen und schwindelerregenden Welt. Es ist ein ungetrübtes Vergnügen und das Beste, das ein Videospiel sein kann. Und es existiert als perfekte Erwiderung auf die oft geäußerte Behauptung, die Wii hätte visuelle Weiterentwicklung und altbewährte, absolut fehlerfrei funktionierende Steuerungsmöglichkeiten zugunsten einer neuen, unausgegorenen Bewegungssensorentechnik aufgegeben. Mario Galaxy ist ein Videospiel für Fans von Videospielen. Die Steuerung ist klassisch, der Gebrauch der Wii Remote Features minimal, die Grafik eine Traumlandschaft in leuchtenden, klaren Farben. Es sieht nicht weniger hübsch aus weil es auf der Wii ist, und es ließe sich auf PS3 und XBox 360 kein Stück besser steuern.


4. Grand Slam Tennis

Tiger Woods PGA Tour 10 war eines von zwei Dritthersteller-Produkten denen zur Veröffentlichung von Nintendos verbesserter 1:1 Bewegungsübertragung der neue Remote-Zusatz beilag. Das andere Spiel war Grand Slam Tennis. Bei beiden handelte es sich um Produkte von Electronic Arts und bei GTS hat sich EA ganz EA-untypische Mühe gegeben, ein neues, für die Wii maßgeschneidertes und mit Leckerli liebevoll zugestopftes Franchise aus dem Boden zu stampfen. Das Wii Publikum erhielt Roger Federer und Rafael Nadal die gegen Legenden wie Boris Becker und John McEnroe antraten, einen Karrieremodus, in dem man einen eigenen Spieler erschuf, ihn mit einem Tennisstil und Stärken und Schwächen ausstattete und ihn Markendesigner Outfits einkleidete, und das Debüt von Wimbledon in einem Videospiel. Der Online-Modus litt an schlechtem Balancing zwischen vorgefertigten Profis und selbsterstellten Charakteren und zwischen Serve and Volley Spielern und allen anderen Stilarten, doch die Formel von GTS ging auf. Spiel, Satz und Sieg und andere Klischees. EA lieferte eine noch nie dagwesene Tennissimulation, die den Spieler auf den Platz versetzte, seine Schläge von den Schwüngen der Fernbedienung ablas, ihm erlaubte die Bälle genau dort zu platzieren wo er sie haben wollte und ihm dadurch sowohl die Genugtuung eines gekonnten Longline Winners und die Höllenqual eines unforced errors erleben ließ und ganz nebenbei den ein oder anderen glänzenden Schweißtropfen auf manch knallrote Stirn trieb.


5. Tiger Woods PGA Tour 10

Ich habe Tiger Woods PGA Tour 10 nicht gekauft. Aber wie ich hörte, soll es besser sein als Grand Slam Tennis. Lasst Euch also nicht abhalten, die Platzierungen von PGA und GTS zu tauschen, falls ihr das Spiel, das Wii Sports Golf ersetzte, dem Spiel, das auf Wii Sports Tennis aufbaute, vorzieht.


6. Mario Kart Wii

Die Mario Kart Serie ist die Definition von Spaß und Schadenfreude, und Mario Kart Wii ist der beste Teil der Serie. Besser als Mario Kart 64. Besser als Mario Kart Double Dash. Besser als das heiß gepriesene Mario Kart DS. Die Essenz pursten, reinsten, herzerquickendsten Vergnügens ist so frisch wie beim Erscheinen des allersten Mario Karts im Jahre 1993, als ich und mein Bruder, 11 und 9 Jahre alt, und Freunde die Rennbahnen des Pilzkönigreichs in chaotische Schlachtfelder verwandelten, Schildkrötenpanzer in rauchenden Knalleffekten explodierten, Blitze vom Himmel uneinholbar Führende in den Kopf trafen und Klempner das Fliegen lernten. Die Steuerung durch ein Plastiklenkrad, in das man die Wii Fernbedienung einsetzt, und dann wie ein echtes Kartlenkrad zum Steuern seiner virtuellen Karosse herumreißt und dreht, ist ein Hauptgrund, warum die Mario Kart Mischung wieder aufgeht, erlaubt sie Nintendo doch, noch mehr als je zuvor, Spieler egal welchen Alters und Erfahrung vor die Konsole zu locken und in ein Kräftemessen zu verstricken, in dem jeder Gelegenheit erhält, das triumphale Gefühl eines gegen alle Wahrscheinlichkeiten und Widerstände der besten Freunde errungenen Sieges zu genießen, aber genauso auch die Schmach binnen Sekunden vom strahlenden Gewinner zum Träger der roten Laterne zu schlittern. Trotz dieser uneinschüchternden Einsteigerfreundlichkeit und dem generösen "Jeder kann gewinnen, die besseren nur ein wenig öfter" Geistes der Serie, bewahrt Mario Kart ein hohes Herausforderungslevel für den geübten Spieler und für solche Anfänger, die sich an schwierigeren Kursen messen wollen, nachdem sie einmal gelernt haben, wie man eine flotte Gummispur auf dem Parcour hinterlässt.


7. New Super Mario Bros. Wii

(wird ergänzt wenn ich meine Kopie des Spiels aus dem Weihnachtspapier gerissen und bis ans Ende durchgespielt habe, vorab nur soviel: Mario ist das platonische Ideal eines Videospiels.)


8. The Next Legend Of Zelda

Reserviert für Links erstes von Grund auf für die Wii entwickelte Abenteuer. Miyamoto Erbarme Dich!


9. My Sims

My Sims fände keinen Platz auf einer Liste der zehn besten Spiele auf der Wii. Oder der besten zwanzig. Oder der besten dreißig. Selbst die Top 40 wären wackelig. Dafür besitzt es zu viele Mängel und zu wenig Qualität. Es ist ein Spiel über Kreativität, das den Spieler zwingt, monotome Arbeiten zu erledigen. Der nachhaltige Verdienst von My Sims lag darin zu zeigen, dass die Wii Fernbedienung + Nunchuck Kombination erlaubt, nicht nur Arten von Spielen zu steuern, die mit einem klassischem Controller nicht möglich wären, und sie so gut zu steuern wie mit einer Computermaus, sondern sie sogar besser zu steuern als mit der Maus. Der Möbelbastelmodus von My Sims wäre mit einer Maus weder so kinderleicht zu bedienen, noch so genugtuend taktil, wie mit der Wii Konfiguration.


10. A Game I Haven't Played (Yet)

Mir fallen eine Reihe Titel ein, die ich nicht gespielt habe. De Blob, Muramasa, Boom Blox, Lost Winds, Zack & Wiki, Metroid Prime 3, Little King's Story, World of Goo. Jedes der genannten Spiele könnte einen Platz in dieser Liste verdient haben, sehr wahrscheinlich sogar weiter oben als auf zehnten Platz. Nummer 10 ist ein Platzhalter, für großartige Spiele, die übersehen wurden, und - da wir bei weitem nicht am Ende der Lebensspanne der aktuellen Konsolengeneration angelangt sind - für großartige Spiele, die noch kommen werden.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Es waren einmal... Meisterliche Anfänge

Der folgende Eintrag verdankt seine Existenz zwei Sachen die ich las und sah, und die eine Parallele aufwarfen, die ich zuvor niemals bedacht hatte.

Es geht um Anfänge und die wichtige Rolle, die sie in zwei Meisterwerken sehr unterschiedlicher Art spielen.


Star Wars: A New Hope eröffnet mit dem Blick auf ein Raumschiff der Rebellen das von einem imperialem Sternenzerstörer verfolgt wird. Die Sicht auf das Rebellenschiff wird vom Sternenzerstörer verdeckt noch ehe es im schwarzen Nichts des Alls verschwinden kann. In einer einzigen Einstellung lernen wir nicht nur, dass die Rebellen auf der Flucht sind und das Imperium der Aggressor ist, dem Zuschauer wird vor allem das Kräfteverhältnis zwischen den Helden und den Bösewichten drastisch vor Augen geführt: Das Rebellenschiff ist winzig - Der imperiale Sternenzerstörer ist riesig. Atemberaubend riesig. Lächerlich riesig. Es vergeht schockierend viel Zeit ehe er sich in ganzer Länge ins Bild geschoben hat und den Zuschauer bei Ansicht seiner Rückseite erleichtert aufatmen lässt. Dass der Sternenzerstörer sich von oben nach unten ins Bild schiebt ist eine bewusste, visuelle Entscheidung der Filmemacher. So drückt sein massiges Gewicht auf den Rebellenkreuzer und den Planeten und die Sterne, die für wenige Augenblicke allein und friedlich im Raum schwebten. Nach 40 Sekunden Film, in denen kein Wort gesprochen wird, wissen wir: Das Imperium ist ein Unterdrücker und sein Arm reicht lang und weit.


Super Mario Bros. etablierte das Genre des Jump'n'Run Spiels. Das grundlegende Konzept besteht darin, dass der Spieler gewinnt, indem er von links nach rechts läuft und über Gegner hinweg springt. Der erste Bildschirm, den der neue Spieler zu Gesicht bekommt, zeigt Mario am linken Rand stehend und eine weite offene blaue Fläche rechts von ihm. Ohne dass dem Spieler eine ausdrückliche Anweisung erteilt werden muss, bewegt er sich nach rechts in die freie Fläche und lernt den ersten Grundbestandteil des Konzepts.

Nach den ersten vorsichtigen Schritten ist der Spieler mit einem neuen Anblick konfrontiert. Einem in der Luft schwebendem Fragezeichenblock und einem fies dreinschauendem Etwas, das sich auf ihn zubewegt. Wenn der Spieler in das fies dreinschauende Etwas rennt, stirbt er und verliert einen Versuch und hat gelernt, dass Wesen, die sich auf ihn zubewegen schlechte Nachrichten sind. Man beachte, dass der erste Gegner, dem der Spieler begegnet sich von rechts nach links bewegt, während Marios Ziel ist, von links nach rechts zu kommen. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Widersacher. Fragezeichenblöcke hingegen sind Verbündete. Sie enthalten für den Spieler nützliche Gegenstände. Das Fragezeichen soll ihn neugierig machen, was sich im Block verbirgt. Wenn das nicht reicht, ist der erste Fragezeichenblock im Spiel so platziert, dass die Chance besteht, dass Mario beim Versuch über den Gegner zu springen, mit dem Kopf an die Unterseite des Blockes stößt und eine Goldmünze erhält. Der Spieler lernt: Wenn ich von unten gegen Blöcke springe passiert etwas. Und wenn der Spieler Glück hat landet er, dadurch dass sein Sprung durch das Stoßen an den Block verkürzt wird, auf dem Kopf des Gegners, der dadurch besiegt wird. Der Spieler lernt: Ich schalte Gegner aus, indem ich auf sie drauf springe. Die Sprungtaste ist Marios Methode mit der Spielwelt zu interagieren.

Das nächste, das den Spieler erwartet, ist eine Reihe von Blöcken. Gegen die Ziegelsteinblöcke zu springen richtet nichts aus. Aber aus einem der vertrauten Fragezeichenblöcke kommt ein Fliegenpilz. Das ist neu. Zuerst bewegt der Pilz sich von links nach rechts, auf der Blockreihe entlang, doch dann fällt er nach unten und läuft gegen die grüne Röhre. Und ändert die Richtung. Plötzlich bewegt er sich auf den Spieler zu (die Richtungsänderung beim Treffen auf Röhren wird später im Spiel von Gegnern und von Schildkrötenpanzer, die Mario als Waffe werfen kann, kopiert), von links nach rechts. Das könnte schlechtes bedeuten. Bisher haben sich nur Feinde auf den Spieler zubewegt. Und Fliegenpilze können bekanntlich giftig sein. Die Macher von Super Mario Bros. waren sich dessen bewusst, deswegen machten sie es dem Spieler extra schwer, dem Pilz auszuweichen. Mario steht unter einer Reihe Blöcken, die ihm die Möglichkeit der Situation durch einen Sprung, mit dem bisher jedes Problem zu lösen war, zu entkommen blockieren. Versucht der Spieler trotzdem zu hüpfen, ist es so angelegt, dass er mit dem Kopf gegen einen Block stößt und mit dem Pilz in Berührung kommt. Dann aber stellt er fest: Der Pilz schadet mir nicht. Er macht Mario größer! Und stärker! Wenn Mario jetzt gegen einen Ziegelsteinblock springt, zerschmettert er ihn. Pilze sind also ziemlich toll und ich sollte sie einsammeln wann immer ich einen sehen. Und der Witz an der Sache: Der erste Fliegenpilz ist der einzige im gesamten Spiel, der sich auf Mario zubewegt, alle weiteren Pilze werden sich vom Spieler wegbewegen, in einem Tempo das ein wenig langsamer ist als die Laufgeschwindigkeit von Mario, und müssen gejagt und eingefangen werden. Der Pilz ist die begehrte Belohnung für das spaßigste und einfachste aller Kinderspiele, das Fangenspielen.

In Super Mario Bros. Echtzeit dauert all dies zwanzig Sekunden. Nach zwanzig Sekunden versteht der Spieler, wie die Welt von Mario funktioniert und was er zu tun hat.

Der Umstand, dass es weder beim Anfang von George Lucas "Star Wars" (1977) noch beim Anfang von Shigeru Miyamotos "Super Mario Bros" (1985) um die Story geht (der Plot der ersten Szene von ANH ist, dass ein Sternenzerstörer auf ein Rebellenschiff feuert), sondern darum die Regeln der Welt zu etablieren, erspart uns die leidige Diskussion ob Videospiele nur Kunst sein können wenn sie eine würdige Geschichte erzählen, und ermöglicht den fairen Vergleich. In beiden Werken sind wir Zeugen von Meistern ihres Fachs. Und in einer Gegenüberstellung wie dieser würde ich die Summe der gewissenhaften Überlegung und Kreativität, die in die ersten zwanzig Spielsekunden von Super Mario Bros. floss jederzeit und ohne Zögern gegen das absolut Beste aus anderen Medien stellen.

Freitag, 14. September 2007

Big N, big again!

Das ewige Kind in mir möchte Nintendo salutieren, die an diesem großen Tage ihren rechtmäßigen Platz auf dem Thron der Videospieleindustrie zurück erobert haben, den sie zum letzten Mal vor siebzehn Jahren innehatten, als ich ein kleiner Junge vor seinem Super Nintendo war, der Link durch eine regnerische Nacht steuerte.

Die Wii Konsole hat nach den neuesten Zahlen aus Japan, USA und Europa den Weg in mehr Wohnzimmer gefunden als Microsofts mit einem Jahr Vorsprung gestartete Xbox360 und Sonys spektakulär implodierende Playstation3 und beim Spurt an die Spitze mit annäherend einer halben Millionen verkaufter Exemplare allein in den Staaten pro Monat Rekorde und Erwartungen in Schallgeschwindigkeit gebrochen.

Am Ende der 16 Bit Ära verlor Nintendo seine Vorherrschaft an Sony, deren als Erwachsenenentertainment vermarktete Playstation ihren Ausnahmerang darauf gründete, dass sie den Kundenkreis für Spielekonsolen von verschwitzten, pickeligen Teenagern ohne Freunde um verschwitzte, pickelige Teenager mit Freunden erweiterte. Daher ist von besonderer Genugtuung, dass erst das als Kinderspielzeughersteller verspottete Big N daherkommen musste, um Videospiele als generationsübergreifende Unterhaltung zu etablieren. Und weil Nintendo für mich das ist, was Tinkerbell für Peter Pan bedeutet, nämlich mein Ticket nach Nimmerland wann immer mir der Sinn nach Kindheitserinnerungen steht auch nachdem Disney keine Animationsfilme mehr zeichnet, gebe ich mich der Genugtuung gerne hin.

Wiiva la Revolution!

Samstag, 25. August 2007

China, Tibet, Irak, Vietnam und andere verlorenen und gefundene Seelen

Die Meldungen der letzten Woche boten genug Futter, um sie über Monate zu strecken, doch ich werde sie in einem einzigem Eintrag abarbeiten. Meine Lieblingsjuwelen des Tages!

In der Schlacht darum, welche Ideologien blöder sind, politische oder religiöse, wurde im fernen Osten eine neue Front eröffnet: China verbietet buddhistischen Mönchen zu reinkarnieren sofern sie nicht die ausdrückliche Erlaubnis der Regierung besitzen.

Ja, richtig gehört. Wenn China gerade mal nicht damit beschäftigt ist, Kinder zu vergiften, uns als Fahrzeuge getarnte mobile Todesfallen zu verkaufen, oder Autos von Pekings Straßen zu verbannen (nicht weil die Autos Menschen umbringen, sondern weil rechtzeitig zu den olympischen Spielen der Himmel sichtbar sein soll), machen sie totalitär tolle Sachen, die keinem anderen Land der Welt einfallen würden, wie zum Beispiel den Prozess der Wiedergeburt gesetzlich zu regeln.

Zugegeben, da haben sie eine Gesetzeslücke entdeckt. Wenn alte buddhistische Ärgermacher, bei denen du froh bist, sie endlich los zu sein, statt in Frieden zu ruhen, in die Körper neuer junger Menschen wiedergeboren werden, möchte man als Regierung gefälligst ein Wörtchen mitreden.

Mein erster Instinkt ist über die chinesische Regierung zu lachen, weil es so weit hergeholt ist. Andererseits, das Konzept Wiedergeburt an sich ist auch schon ziemlich weit her geholt. Es ist eine Meisterleistung in Sachen Architektur des Absurden, dieser Versuch, eine absurde Idee mit einer noch viel absurderen Idee zu regeln. Das muss so ähnlich sein, wie einen zweiten schiefen Turm von Pisa auf die Spitze des ersten schiefen Turms von Pisa zu bauen.

Nur... Bei genauem Hinsehen ist es gar nicht so dumm wie es scheint. Die Handlung der chinesischen Regierung jetzt, nicht buddhistischer Glauben oder gestapelten Pisa-Türmen. Sie wollen nur sicher gehen, dass das nächste politische und geistige Oberhaupt Tibets ihren Segen hat und ihren Befehlen gehorcht. Das ist nicht sehr demokratisch, aber ein vom Volk nicht gewähltes Staatsoberhaupt das religiöse und weltliche Macht in einer Person vereint ist auch nicht ganz im Sinne der Demokratie.

Und schließlich ist die Wiedergeburt für die Mönche genauso sehr ein Politikum zur Machterhaltung, -Sicherung und –Legitimierung wie für China. Ob über die Seelenwiedererkennung nun ein Gremium von Politikern oder eine Versammlung von Mönchen befindet, was ändert das schon? Es geht um das gute alte Tauziehen. Wird die Regierung die Religion kontrollieren oder die Religion die Politik.

Der Dalai Lama ist 72 Jahre. Menschen in dem Alter treffen gewisse Vorbereitungen. Sie schreiben Testamente, sie beichten Sünden, sie reden öfter mit ihren Kindern als gewöhnlich, sie überlegen sich die Musikauswahl für ihre Beerdigung, und, wenn sie zufällig Kopf einer großen Religion, die an die Wiedergeburt glaubt, sind, machen sie sich über das nächste Leben Gedanken. Der Dalai Lama hat seit 14. Generationen Kontrolle darüber, wo und wie er wiedergeboren wird. Und die momentane Verkörperung des Dalai Lama weigert sich, innerhalb Tibets wiedergeboren zu werden, solange es in chinesischer Hand ist.

Das neue Gesetz verleiht China die Autorität, den nächsten Dalai Lama aus den eigenen Reihen zu wählen. Gleichzeitig wird es damit zu einer sicheren Wette, dass die buddhistischen Mönche die fünfzehnte Inkarnation ihres Dalai Lamas zwangsweise im Ausland suchen und finden werden, höchstwahrscheinlich einem reichen fetten Land wie Amerika.

Auf beiden Seiten geben praktische Gründe den Ausschlag. Das ist nicht anders als es bei der katholischen Konklave. Die Kardinäle sagen zwar „Benedikt wurde von Gott erwählt“, aber was sie meinen ist: „Benedikt war die beste Wahl, weil für die Kirche nach einem so langlebigem Reformator wie JP2 ein dem Tode naher konservativer Greis genau das richtige ist.“

Und deswegen setze ich darauf, dass der nächste Dalai Lama aus dem Westen kommt. Die Leute hier fressen östlicher Philosophie, Mystizismus und Medizin aus der Hand. Das ist ein Wachstumsmarkt für Einfluss den man zementieren muss. Und außerdem würde ein Dalai Lama aus dem eigenem abendländischem Kulturkreis auch in Zukunft den Fluss der Spenden aus Hollywood sichern, das der beste Finanzierer des Widerstandes für ein freies Tibet ist seit die CIA beschlossen hat, dass 1,7$ Millionen pro Jahr um eine Armee von Pazifisten auszurüsten verschwendetes Geld ist.

Von alten Mönchen die als Babys wiedergeboren werden zu einer Branche, die derzeit alles tut, das in ihrer Macht steht, um männliche Jugendliche in junge Frauen und Senioren zu verwandeln ohne dabei direkt zum Mittel der Reinkarnation zu greifen aber es würde, wenn sie könnte: Die Video- und Computerspiele Industrie will weg von verpickelten Teenagern in ihren miefigen Kellern hin zu Mädchen und Familien und Oma und Opa. Das ist der Tenor der Medien in der Berichterstattung zur Games Convention in Leipzig. Normalerweise verstehen die Nachrichtenredaktionen von RTL, ARD und Sat1 (in der Zeitung stand, Sat1 hätte alle ihre Journalisten gefeuert, aber hatte Sat1 je Journalisten???) von der Welt der Computer soviel wie Mügelner Bürger von Zivilcourage. Ich nenne da nur die lächerliche Überschätzung von Second Life, bei dessen bloßer Erwähnung jeder Nachrichtenredakteur scheinbar eine größere Erektion bekommt als ein Furry beim Anblick von Bugs Bunny in Drag, während gleichzeitig World of Warcraft weitestgehend unbemerkt genügend Menschen ansammelt um ein kleines Land zu besetzen. In diesem Fall allerdings haben sie ausnahmsweise Recht. Videospiele sind tatsächlich auf einem Siegesfeldzug heraus aus der Nische als Unterhaltung für große und kleine Kinder hin zur akzeptierten Massenunterhaltung für Alt und Jung jeden Geschlechts. Nintendo hat allein im letzten Monat EINE MILLION neuer Einheiten ihrer Spielekonsolen in die weltweiten Wohnzimmer verkauft. Ich begrüße die Entwicklung und heiße die neuen Spieler als alter Nintendofan und Gameboy der ersten Stunde herzlich willkommen und stelle mich schon einmal geistig auf den Tag ein, an dem wir vom Amoklauf eines Computerspielers hören und die Reporter nicht vom Schulhof sondern aus dem Altersheim berichten. Arme alte Großmutter, du hast einfach zu viel Counterstrike gespielt...

Und die vorletzte Schlagzeile für heute, ebenfalls zum Thema Seelenwanderung und die Zukunft der virtuellen Unterhaltung: Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, das Phänomen der außerkörperliche Erfahrungen im Labor unter kontrollierten Bedingungen zu reproduzieren. Wir wissen von Menschen, die im Traum oder unter Betäubung standen oder dem Tod nahe waren, dass sie ein Gefühl beschreiben, ihren Körper zu verlassen und sich von außen zu sehen oder manchmal gar über weite Distanzen wandern um einen entfernten Menschen zu beobachten. Das Experiment erklärt uns bei weitem nicht alles, das wir aus Beschreibungen kennen, aber es ist ein erster Schritt, und eine verdammt coole Erinnerung, was heraus kommen kann, wenn Wissenschaft das Feld des sogenannten Übersinnlichen nicht prinzipiell ignoriert sondern untersucht, was es zu untersuchen gibt.

Zum Abschluss das Beste: Präsident Bush hat eine Hundertachtzig Grad Kehrtwende hingelegt und stimmt nun zu, dass Irak genau so ist wie Vietnam. Nur dass in seinem Vergleich der einzige Fehler in Vietnam der war, den Krieg zu beenden. Man kann hundert Witze darüber machen, aber es ist spät, ich bin müde, und außerdem bricht man allein vom Lesen der Neuigkeit in schallendes Gelächter aus.

Ha ha haaargh.