Mittwoch, 11. November 2009

Während Familie, Doktor & DFB Würde zeigen, beweisen andere Dummköpfe dass Robert Enke die öffentliche Reaktion auf seine Krankheit zu Recht fürchtete

"Und mich bedrückt auch, dass weder seine Sportskameraden in der Nationalelf noch Trainer noch der Mannschaftsbetreuer der Nationalelf irgendwetwas gemerkt haben, was im Menschen vorgeht, der seine Tochter tragisch mit zwei Jahren verliert durch eine Herzkrankheit, offenbar auch private Probleme daraus hat. Und das spricht dafür, dass selbst in so einem Team, einer Mannschaft, die zusammen stehen sollte, das menschliche vielleicht nicht ganz so ist, wie es sein sollte."
--- Rainer Brüderle

Der erste Satz, der mir durch den Kopf schoss, lautete: Oh, Gott, ich dachte nicht, dass es so ernst ist. Es bestand immer ein Gefühl, aus der Ferne, in den brüchlichen Einblicken in sein Leben, dass unter Robert Enkes glatter Oberflächer Dämen tobten, die man vielleicht eher sieht, wenn man sie von sich selbst wiedererkennt, und über die man, je näher man dem Menschen kommt, und dem Trugspiel das ihm das Überleben bislang überhaupt erst möglich machte, leichter hinweggetäuscht wird.

Die größte Neuigkeit in der Schar sprechender Köpfe, die über den Bildschirm flimmernd ihre Meinung äußern, liegt darin, dass ganz plötzlich offensichtlich wird, welche Menschen wissen, was Depression bedeutet, und wie viele die Krankheit nicht verstehen. Rainer Brüderle gehört eindeutig zu denen, die nichts kapieren.

Im meinem letzten Blog-Eintrag war Stephen Fry zu Gast und ich gebe ihm wieder das Wort. Vor einigen Jahren drehte er für die BBC eine Dokumentation, die in Großbritannien eine öffentliche Diskussion auslöste, die auch Deutschland an dieser Stelle gesunden würde: The Secret Life of a Manic-Depressive.

Dienstag, 10. November 2009

1876 zu 268

Das ist das Ergebnis einer britischen Fernsehdebatte zur Frage "Ist die Katholische Kirche ein positiver Einfluss auf die Welt". Die vierstellige Zahl, falls das unklar sein sollte, sind die Nein-Stimmen.

Es war ein wenig unfair. Die Kirche hatte als Fürsprecher eine schwafelnde Politikerin und einen weichgespülten Bischof. Die Anti-Katholische Seite hatte Christopher Hitchens und Stephen Fry. Man schickt nicht Englands meist geliebten Homosexuellen, feiner Gebieter der Sprache und Schwertführer tödlicher Einsichten der er nebenbei ist, und einen der besten und sicherlich hochbezahltesten Polemiker des gesamten englischen Sprachraums gegen drittklassige Gegner in den Kampf und erwartet als Ergebnis etwas anderes als ein einseitiges Gemetzel. Das ist wie ein Team von Superman und Batman gegen die Panzerknacker. Ein Fußballspiel Spanien gegen San Marino. Brock Lesnar gegen Regina Halmich. Als hätte jemand gesagt: Lasst uns mal wieder ein paar Christen gegen Löwen in die Arena schicken, aber mit noch viel mehr Erniedrigung und nur ein ganz klein bisschen weniger Blutgespritze.



Frys Stellungnahme, inklusive eines glänzenden Vergleichs der katholischen Sexbessenheit zum Verhältnis von Essgestörten zu Nahrung, beginnt ab 1:30.

Mittwoch, 4. November 2009

Wie Mitleid, nicht Sensationssucht, uns zu Gaffern macht

Sogar in der, nach den Maßstaben meines eigenen Lebens gemessen, beschissenesten Woche seit langer Zeit kommt, wie scheinbar zu allen beschissenen Zeiten, der unvermeidliche Zeigefinger, dass es viel schlimmer sein könnte, wie etwa in Form eines Fußgängers, der von einem Auto überfahren wird, während du in der Straßenbahn sitzt und hilflos bist, etwas zu unternehmen außer das Handy zu zücken, was glücklicherweise viele mehr taten, so dass als ich eine Station später an meiner Haltestelle ausstieg und nach Hause lief hinter mir die Sirenen schrillten.

Und ich kenne die Stelle, an der der leblose Leib auf das Asphalt klatschte (den Zusammenstoß sah ich nicht, es war das Geräusch das meinen Blick herum riss). Ich bin dort über die Kreuzung gegangen. Mir sind dort zweimal, bei grünem Licht, Autos in vollem Tempo an der Nasenspitze vorbei gerast gerade als ich dabei war, den Fuß auf das Straßenpflaster zu setzen. In dieser Stadt wirst du überfahren wenn du über die Straße gehst nur weil die Ampel zufällig Grün zeigt.

Es ist ein zwiespältiges Gefühl. Vor heute habe ich die Menschentrauben, die sich um Unfallorte versammeln, nur als Gaffer verstanden. Derzeit bin ich weniger hastig mit dem Urteil. Etwas anderes ist im Spiel. Selbst als die Straßenbahn mich wie unter Zwang von dem überfahrenem Menschen weg trug, kehrten mein Blick und mein ganzer Körper sich immer wieder rückwärts, zutiefst wiederstrebend einen Verletzten zu verlassen, obwohl ich wusste, dass ich ihm nicht helfen konnte, und als wie kämpften in meinem Innersten das Pflichtgefühl einem Mitmenschen - dem Verletzten, seinen Begleitern, den Helfern - Solidärität zu zeigen gegen die Scheu das Leid eines Anderen durch meine Augen der Würde zu entkleiden.

Mittwoch, 30. September 2009

Kognitive Dissonanz im Test

A. Kämpfer der Söldnerarmee Blackwater massakrieren im Irak aus purer Mordlust eine Gruppe Zivilisten. Es gibt eindeutige Beweise, die sie belasten, und Blackwaters eigene interne Dokumente bestätigen das Blutbad. Trotzdem werden die Söldner nie vor Gericht gestellt. Auf Geheiß der US-Regierung. Der Zwischenfall sei ein bedauerlicher Einzelfall, ein Ausrutscher einiger weniger unter enormem Druck stehender Männer, die deswegen nicht verurteilt werden sollten, haben sie doch in ihrer übrigen Arbeit wichtige Dienste für den Schutz des Landes und den Wiederaufbau des Iraks geleistet. George W. Bush und Dick Cheney loben die Männer als große Patrioten.

B. Der CEO einer großen Bank wird des Betrugs in Milliardenhöhe überführt. Über Jahre soll er systematisch Bücher gefälscht, Geld unterschlagen, und den Aktionären falsche Gewinne vorgegaukelt haben. Viele gutgläubige Investoren, darunter wohltätige Vereine und unzählige Familien, verlieren durch die illegalen Machenschaften dieses Mannes ihr gesamtes Hab und Gut. Aufgrund intensiver Lobbyarbeit und großzügiger Spendenbeiträgen von Seiten der Wirtschaft in die Kriegskasse für die nächste Wahl erhält der verurteilte CEO ein präsidiales Pardon und muss seine lebenslange Haftstrafe nie antreten. Führende Finanzexperten und Firmenbosse preisen den CEO für seine Risikobereitschaft, seine Visionen, und seinen Beitrag zum Kapitalismus.

C. Ein Künstler vergewaltigt ein minderjähriges Mädchen. Er entzieht sich der gerechten Strafe und flieht ins Ausland. Als ihn die Polizei nach vielen Jahren erwischt geht ein Aufschrei der Empörung durch die Reihen derer, die ihn für sein Schaffen mit Auszeichnungen überhäuften. Kollegen aus aller Welt starten eine öffentliche Kampagne, um die Justiz davon abzubringen, den Vergewaltiger zu verfolgen. Senta Berger und die Ochsenknechts setzen sich für seine Freilassung ein.

Auswertung: Wenn sie A für gerecht halten, dann sind sie Mitglied der republikanischen Partei der USA. Wenn sie B für gerecht halten, sind sie Wirtschaftsbonze und der Grund, warum unsere Finanzwelt im Arsch ist. Sollte hingegen beim Gedanken an A und B ihr Blut kochen vor Wut angesichts solcherart pervertierter Gerechtigkeit, aber für den Künstler aus C würde sie auf die Barrikaden gehen - Glückwunsch! Sie sind ein stolzer Vertreter unserer kulturschaffenden Elite und genauso moralisch korrupt und blind bündnistreu wie Ihre schlimmsten Feindbilder. Sie wissen schon, die Feindbilder, über die Sie Ihre preisgekrönten Filme drehen.

Montag, 28. September 2009

Der dümmste Zeitpunkt FDP zu wählen

Über Nacht reißt ein Fuchs Hühner. Am nächsten Tag sperrt der Bauer einen Wolf in den Stall. Der soll die Hühner vor dem Fuchs beschützen.

Der Rattenfänger von Hameln hat soeben alle Kinder des Dorfes in die Berge entführt. Die Bürger des Dorfes ziehen aus dem schweren Schicksalsschlag eine wichtige Lehre und schwören in Zukunft prinzipiell alle Rattenfänger um ihr Geld zu prellen und außerdem überall magische Flöten zu verteilen.

Mein Haus ist niedergebrannt. Bei meinem nächstem Heim mache ich es besser und heuere gleich von Anfang an einen verurteilten Pyromanen an, der sich um den Brandschutz kümmert.

Ich weiß nicht genau, wie die FDP nach einer Wirtschaftskrise, die die Torheit eines deregulierten Marktes offenbarte, das beste Ergebnis ihrer Geschichte einfahren kann, aber es fühlt sich ein bisschen so an, als hätten die Bewohner von New Orleans George W. Bush nach Katrina zum König gewählt. Das Bundestagsergebnis ist nicht vollkommen mies - Angela Merkel als Bundeskanzlerin ist besser als Steinmeier als Kanzler und ich erhalte zum ersten Mal die Gelegenheit politisch bewusst zu beobachten, wie die FDP regiert. Ich wünschte nur diese nicht unbedingt unaufschiebbare Gelegenheit käme nicht ausgerechnet an dem seltenen Tag, an dem die Wirtschaftsmächte der Welt mit vereinter Stimme nach besseren Regulierungsmaßnahmen schreien und sogar der Präsident der USA, dieses Fackelträgers der freien Marktwirtschaft, weiß, dass nur Narren glauben, Gier besäße ein Gewissen.

In weniger "I hate Mondays"-artigen Neuigkeiten: Der Euro Health Consumer Index 2009 liegt vor und zeigt Deutschland insgesamt, und insbesondere deutschen Ärzten, den Daumen nach oben. Schlüsselstellen:
1.1.4 Germany – the “Mystery Country”
In 6th place with 787 points, Germany probably has the most restriction-free and consumeroriented healthcare system in Europe, with patients allowed to seek almost any type of care they wish whenever they want it. The main reason Germany is not engaged in the fight for medals is the mediocrity of Outcomes (and “Germany” and “mediocre quality” are rarely heard in the same sentence!). This is probably due to a characteristic of the German healthcare system: a large number of rather small general hospitals, not specializing.

The “mystery” is: how is it possible to operate a restriction-free system, and not have healthcare costs run wild? As can be seen from the cost graph in Section 5.1, German healthcare costs are in the middle of the Western European countries.

Another speculative explanation: There are studies, that show that German doctors work harder; long hours and many appointments/operations per doctor per year. It is well known that hindering a German from working is difficult. Could the relatively good cost containment in German healthcare be explained simply be “German work ethic”? Unfortunately, the EHCI does not provide the answer.
Und:
Countries, where healthcare seems to develop faster than average in a direction of improved consumer friendliness are:

Germany: Outcomes scores are creeping up from the “all Yellow” a couple of years ago. Will be a real top contender, if this trend continues.
Mal abwarten, in welche Richtung es unter Schwarz-Gelb geht.

Dienstag, 22. September 2009

Schaut her, wie ich mit diesem Regenschirm einen Bären erlege

Eines der feinsten Vergnügen im Leben eines schadenfrohen Besserwissers ist wohl, wenn Menschen der gegenteiligen Überzeugung ihre Meinung kundtun, dabei etwas anderes sagen, als sie glauben zu sagen, und damit der Wahrheit näher kommen als mit ihrer eigentlichen Meinung.

Man nehme zum Beispiel folgenden Cartoon von Dana Summers für den Orlando Sentinel:


Die Botschaft dieses kleinen Bildes ist leicht zu erraten: Obama liefert seine armen Verbündeten Polen und die Tschechische Republik schutzlos dem russischem Bären aus. Er lässt sie - Achtung, mieser visueller Wortwitz - im Regen stehen! Wobei der Regen der Sabber ist, der aus dem Mund der von Obama naiv-bösartig zum niedlichen Teddy heruntergespielten pelzigen Bedrohung tropft.

Russland: Hungriger Bär. Polen & Tschechien: Hilflose Opfer. Obama: Bösewicht. So weit, so simpel die Rollenverteilung.

Das wahre, ungewollte Genie des Cartoons wird erst bei einem Blick darauf deutlich, was Obama Polen und Tschechien aus der Hand nimmt. Wodurch ist das Raketenabwehrsystem dargestellt? Ein Schild? Ein scharfes Schwert? Nö, ein pobeliger Regenschirm. Hier dekonstruiert der Cartoon sich selbst. Schützt ein Regenschirm wirklich vor einem fünf Meter hohem Bären? Wirklich? Der Grizzley in dem Bild könnte die zwei Menschlein in einem Haps verschlingen und würde nicht mal merken, ob sie einen Regenschirm hielten oder nicht. Oder, um in Dana Summers eigener Bilderwelt zu bleiben: Der Regenschirm nützt einen Scheiß gegen einen Bären, der das hier macht. Begeht Obama also ein großes Unrecht, wenn er Polen und Tschechien einen unwirksamen Schutzmechanismus wegnimmt? Wahrscheinlich nicht.

Ein überraschend subversive Wahrheit von Dana Summers, Schöpfer von solch neuartigen Erkenntnissen wie "Frauen mögen keinen Sport", "Eine CIA ohne Folter ist wie ein Pudel ohne Eier", "Lasst Palins Kinder in Ruhe!" und "Nancy Pelosi will Republikaner ermorden".

Samstag, 4. Juli 2009

Noch Fragen?

and im not gonna put alaskans through that i promised efficiency and effectiveness thats not how im wired im not wired to operate under the same old politics as usual i promised that four years ago and i meant it it thats not what is best for alaska at this time im determined to take the right path for alaska even though it is unconventional and its not so comfortable with this announcement that im not seeking reelection ive determined its best to transfer the authority of governor to lieutenant governor parnell and i am willing to do this so that this administration with its positive agenda and its accomplishments and its successful road to an incredible future for alaska so that it can continue without interruption and with great administrative and legislative successmy choice is to take a stand and effect change and not just hit our head against the wall and watch valuable state time and money millions of your dollars go down the drain in this new political environment rather we know we can effect positive change outside government at this moment in time on another scale and actually make a difference for our priorities and so we will for alaskans and for americans lemme go back quickly to a comfortable analogy for me and thats sports basketball and i use it because you are naive if you dont see a full court press from the national level picking away right now a good point guard heres what she does she drives through a full court press protecting the ball keeping her head up because she needs to keep her eye on the basket and she knows exactly when to pass the ball so that the team can win and that is what im doing keeping our eye on the ball that represents sound priorities remember they include energy independence and smaller government and national security and freedom and i know when its time to pass the ball for victory and ive given my reasons now very candidly truthfully and my last day wont be for another few weeks so the transition will be very smooth in fact we look forward to swearing in sean parnell up there in fairbanks at the conclusion of our governors picnic at the end of the monthand i really dont want to disappoint anyone with this announcement not with the decision that i have made all that i can ask is that you trust me with this decision and know that it is no more politics as usual and some alaskans it seemed today maybe they dont mind wasting public dollars and state time but i do and i cannot stand here as your governor and allow the millions of dollars and all that time go to waste just so i can hold the title of governor and i dont know if my children are gonna allow it anyway some are gonna question the timing of this and let me just say this decision has been in the works for a while in fact this decision comes after much consideration prayer and consideration and finally i pulled the most important people in my life my kids where the count was unanimous well in response to asking hey do you want make a positive difference and fight for all our childrens future from outside the governors office it was four yesses and one hell yeah and the hell yeah sealed it and some day ill talk about the details of that i think though much of it for the kids had to do with recently seeing their baby brother trigg mocked and ridiculed by some pretty mean spirited adults recently and by the way i sure wish folks could ever understand all that we can learn all of us from someone like trigg i know he needs me but i know that i need him even more and what a child can offer to set priorities right know that time is precious the world needs more triggs not fewer my decision was also fortified during this most recent trip to kosovo and landstuhl to visit our wounded soldiers overseas those who truly sacrifice themselves in war for our freedom and our security and we can all learn from our selfless selfless troops theyre bold and they dont give up and they take a stand and they know that life is short so they choose not to waste time they choose to be productive and serve something greater than self and to build up their families and their states and our great country these troops and their important missions now there is where truly the worthy causes are in this world and thats where our public resources should be our public priority with time and resources spent on that not on this superficial wasteful political bloodsport so may we all learn from them really weve just gotta put first things first and first things first as governor i love my job and i love alaska and it hurts to make this choice but im doing whats best for alaska and i have explained why though i think of the saying on my parents refrigerator a little magnet that says dont explain your friends dont need it and your enemies wont believe you anyway but ive given my reasons its no more politics as usual and im taking my fight for whats right for alaska in a new directionnow despite this i dont want any one any alaskan dissuaded from entering politics after seeing this real climate change that began in august no we need hardworking average americans fighting for whats right and i will support you because we need you and you can effect change and i can too on the outside we need those who will respect our constitution where government is supposed to serve from the bottom up and not move toward this top down big government takeover but rather will be protectors of individual rights who also have enough common sense to acknowledge when conditions have drastically changed and theyre willing to call an audible and pass the ball when its time so the team can win and thats what im doing remember alaska america is now more than ever looking north to the future and itll be good so god bless you and from me and from my family to all alaska you have my heart and were gonna be in really great hands the capable hands of our lieutenant governor sean parnell and lieutenant general craig campbell then will assume the role of lieutenant governor and its my promise to you that i will always be standing by ready to assist we have a good positive agenda for alaska take the words of general macarthur he said we are not retreating we are advancing in another direction so with that imonna hand this over to our good lieutenant governor and again i say thank you and god bless you alaska
--- Sarah Palin, Rücktrittserklärung als Governor von Alaska