Samstag, 30. August 2008

G.I. nach Haus telefonieren

Ein unscheinbarer Infohappen von der Sorte, die in Notizbüchern von Krimischriftstellern landen:
A Canadian Navy lieutenant notes that the soldiers who are constantly calling home tend to be the ones most likely to pose disciplinary problems.
Wer sich unerwartet in der Situation befindet, einen Mordfall auf einem Militärstützpunkt aufklären zu müssen, und wem Navy:CIS der Bildung nicht genug war, weiß jetzt, was zu tun ist: Einfach die Anrufliste raussuchen. Der Name, der am häufigsten auftaucht, ist der Täter.

VPILF

Andrew Sullivan zeigt der Obama Kampagne eine passable Strategie auf, die Wahl von Sarah Palin zur VP-Kandiatin zu attackieren, indem man nicht die Frau und Mutter und Sympahtiefigur angreift, sondern die Entscheidung McCains als verräterisches Zeichen seiner Urteilsfähigkeit: Hastig, risikoverliebt, vermessen, und leichtfertig - und mit keinem Gedanken darum besorgt, das Land in die fähigsten Hände zu legen.

McCain hat Palin nur einmal getroffen, bevor er die Entscheidung traf, dass er sie mochte. Entweder fühlt er sich unsterblich oder er eifert wieder einmal George W. Bush nach, dessen Menschenkenntnis ihn ermächtige, nach dem ersten Treffen mit Vladimir Putin zu erklären, dass der russische Monarch eine gute Seele sei.

Die Gouvernante Alaskas wurde der Nation vorgestellt und hat sogleich eine Wirkung gehabt: Am ersten Talkshowabend haben die Blubberköpfe (dt. für Talking Heads) der Politikzirkustour die Angriffe gegen Obama aufgrund mangelnder Erfahrung aufgegeben. Motto: Hey, wir hätten niemals eine so unerfahrene Kandidatin ausgewählt, wenn Obama uns nicht überzeugt hätte, dass Erfahrung nicht alles ist! Was zählt ist Entscheidungsfähigkeit.

Entscheidungsfähigkeit? Hier ist die erste wichtigste Entscheidung der beiden Präsidentschaftskandidaten, die für ihren engsten Vertrauten, Ratgeber und zweitmächtigste Person im Kabinett: Obama wählt Biden, McCain wählt Palin.

Wer wählte weiser?

Ich überlasse die Antwort David Frum.

Freitag, 29. August 2008

Platz, Biden, Platz!

Die bleibende Erinnerung des 2004 Rennens ist die VP Debatte. Dick Cheney zerfleischte den süßen Schuljungen John Edwards. Es war wie der Kampf Bulldogge gegen Baby; nur schöner.

Obamas VP Pick ist auch so ein harter Hund. Joe Biden ist ein Beißer. Er knurrt und fletscht die Zähne und schnappt zu. 2008 sollte 2004 mit vertauschten Rollen werden. Ein bisschen Genugtuung und ganz viel Genuss. Der demokratische VP Kandidat frisst sein republikanisches Opfer und spuckt nur einen Knochen aus. Schon vor der Debatte war McKains VP totes Fleisch. Egal wen McCain wählt, er konnte nur verlieren.

Also wählte McCain Sarah Palin und gewann.

Biden kann nur aggressiv. Aber gegen eine fünffache Mutter die ein Baby mit Down Syndrom groß zieht geht aggressiv nicht. Dann steht Mann nicht als Alpha-Tier dar, sondern als Frauenschläger. Wenn Bestie Biden schon zerfleischt, wen man ihm vorsetzt, soll es am besten eine Frau sein, damit Biden wie ein Macho-Arschloch wirkt, so das Kalkül.

Besten Dank, McCain, mit der Wahl hast du mir ein Highlight der Kampagne ruiniert. Und ich hab' mich so drauf gefreut. Spielverderber.

Die VP Debatte ist durch den Schachzug für die Republikaner gerettet. Aber ist es möglich, dass McCain seine Dame in eine gute Position zieht, nur damit im nächsten Zug sein Gegner "Schach Matt!" erklärt?

Um in der VP Paarung die Oberhand zu behalten, lässt McCain sich in der Präsidentschaftsfrage in die Ecke drängen. Im Austauch für eine VP Debatte könnte McCain sich für die Hauptdebatten selbst ausgekontert haben. Der Hauptangriffspunkt gegen Obama, dessen mangelnde Erfahrung, ist vom Tisch.

Wer Erfahrung als wichtige Qualifikation sieht, wählt als seine Nummer Zwei nicht die jüngste Gouverneurin der USA und dann auch noch des bevölkerungsärmsten Staates, die kürzer im Amt ist als Obama Senator. Selbst gemessen an McCains eigenen, von seinen langweiligen, monotonen Reden, gesetzten Standards werden die Worte hohl klingen, wenn er sagt: Es ist ein zu großes Risiko meinen unerfahrenen Gegner ins Weiße Haus zu senden. (Aber dass eine unerfahrene Vizepräsidentin nur einen Herzschlag vom gleichen Amt entfernt ist, ist kein Risiko!) Und wenn McCain Obama das nächste Mal als elitäre Berühmtheit darstellt, die mehr Schein als Sein ist, muss Obama einfach das Vogue Hochglanzmagazin mit der ehemaligen Schönheitskönigin Sarah Palin auf dem Cover zücken.

Obama hat McCains Attacke gegen ihn mit seiner gestrigen Nominierungsrede pariert und den Republikaner entwaffnet. Heute hat McCain seinen Degen vom Boden aufgehoben und sich damit selbst aufgespießt.

Die Inexperienced/Celebrity Angriffe sind tot und beerdigt. Sarah Palin hilft die Erde aufs Grab zu schaufeln.

Sonntag, 24. August 2008

Oh, hey, was haben wir denn hier?

Was man so alles findet, wenn man in nächtlicher Schlaflosigkeit nach dem eigenem Namen googlet.

Ist es googlet oder googled? Übernehme ich den Anglizismus pur oder passe ich das Wort an deutsche Deklinationsregeln an, um grammatisch korrekt zu sein? Ich studiere genau solche Fragen, und dennoch werden die Kopfschmerzen dadurch nur umso stechender wann immer ich eine Antwort suche.

Egal. Wo war ich? Ach ja, seit einem halben Jahr nicht mehr auf dieser Seite, da war ich. Bis ich wissen wollte, was das Internet über mich sagt. Ich verspreche in Zukunft wieder regelmäßiger zu schreiben.

Das war eben ein Scherz. Nicht dass ich mehr schreiben würde, das nicht, ich würde niemals über ein Versprechen scherzen, das so offensichtlich zum Scheitern verurteilt ist. Aber das ich nach meinem eigenem Namen gegooglet habe, war natürlich ein Witz. Welcher Mensch könnte so narzisstisch sein? Ich habe nicht meinen Namen gegooglet.

Ich habe "Leute die das Barack Obama / Joe Biden 2008 Ticket korrekt vorhergesagt haben" gegooglet.

CALLED IT!

Ich bin ein Prophet. Erinnert Euch daran, wenn die nächste Posting-Dürre über das Blog hereinbricht. Die Prophezeiung will es so.

Mittwoch, 6. Februar 2008

We are the ones we've been waiting for

Die Uhr zeigt ein paar Minuten nach acht Uhr in der früh an, Barry Obama hat ein Unentschieden gewonnen, Hillary einen Sieg verloren, und ich bin soweit mit gutem Gefühl ins Bett zu gehen.

Clinton begann den Sprint zum Super Tuesday mit Vorsprüngen ab 20% und aufwärts in den meisten Staaten, aber in den letzten zwei Wochen hat Obama Feuer gefangen und Hillary schmolzen die Prozentpunkte unter den kalten Füßen weg. Mit jedem Tag kam Obama näher an Hillary heran und in den letzten Umfragen lag er vorne. Letzten Endes kam der Dienstag ein wenig zu früh. Hillary konnte sich an ihre wichtigsten Staaten klammern. Dafür hat Obama mehr Staaten auf seiner Seite und, noch wichtiger, die Zeit spielt für ihn. Er hat mehr Spendengelder, mehr Unterstützung durch freiwillige Aktivisten, und bessere Werte in den noch ausstehenden Staaten.

Das letzte Wort am Montag von Seiten der Wahlstrategen lautete: Wenn Obama den Sieg von Hillary klein halten kann, ist er für den Rest des Programms im Vorteil. Solange Hillary am Dienstag weniger als 200 Delegierte vorne liegt, besteht eine gute Chance weiterzukämpfen. Alles unter 100 Delegierten Rückstand auf Hillary nach Dienstag und Obama ist der Favorit.

Eben kam die erste Prognose der Delegiertenzahl herein. MSNBC hat stark zugunsten von Hillary gewichtet und trotzdem.... Clinton 837 - Obama 841.

Obama ist nicht nur dicht dran geblieben, er hat die Führung behalten.

Kalifornien ist das große Fragezeichen. Die genauen Zahlen wird es in Amerika nicht vor dem Frühstück geben. Wenn ich aufwache werde ich wissen, ob ich zurecht zufrieden eingeschlafen bin. Bis dahin, ein Comic!


Es ist nicht so gut wie eine Obama Rede, aber wenn Barack den Blick seines Comic-Ichs in dem letzten Panel als einen echten Gesichtsausdruck in sein Repertoire aufnimmt, kann das die Reden nur noch mehr vergöttlichen.

Montag, 4. Februar 2008

Spocht!

Zu Ehren des heutigen Superbowl Sonntags - und den sportlichen Großereignissen des letzten Monats und des kommenden Sommers - habe ich Vorschläge zusammengestellt, um die betroffenen Sportarten wesentlich zu verbessern. Die Verbände schulden mir kein Geld, um die Vorschläge in die Tat umzusetzen. Meine Belohnung wird das Lächeln der Millionen Menschen sein, deren Freude am Sport durch meine Verbesserung gesteigert wird.

Football! Sogar für eine Sportart, bei der steroid-gefütterte Fleischberge in viel zu großen Helmen um viel zu kleine Gehirne solange gegeneinander rennen bis einer gewonnen hat, hat Football relativ große Probleme damit, Wörter richtig zu verwenden. Das muss sich ändern. Es fängt schon mit dem Namen der Sportart an. Football. Es gibt bereits eine Sportart, die so heißt, und bei der macht der Name auch noch Sinn! Sofern Tom Brady nicht anfängt seine Pässe mit dem Fuß zu werfen, brauchen wir einen neuen Namen. Mein Vorschlag: Pussy Rugby. Es geht weiter mit dem Titel des Wettbewerbs. Egal wer heute gewinnt, Patriots oder Giants (die Pats, sorry Eli, kleine Brüder bringen's nicht, die Erstgeborenen sind einfach besser), das Team wird sich World Champion nennen. Das kann nun überhaupt nicht sein, weil die Welt nicht Football spielt. Bis die NFL ihren Europa Zweig wieder eröffnet werden die Patriots nichts weiter sein als die American Champions. Es endet beim Superbowl. Niemand schaut den Superbowl wegen dem Football oder weil er super ist oder bowlig. Der Superbowl heißt ab sofort Americas Best Commercials. Truth in Advertising, Leute!

Fußball! Im Interesse eines klar geregelten Transfersystems gelten ab sofort die folgenden Regeln: Die Bayern dürfen ligen-intern nur noch Spieler von Werder Bremen kaufen. Bremen nur noch Spieler von Schalke. Schalke darf Spieler von Stuttgart oder Bayer Leverkusen kaufen. Stuttgart seinerseits darf neue Spieler nur erstehen, indem Club-eigene Kidnapper sie direkt aus dem Sandkasten des Kindergartens neben dem Gottfried-Daimler Stadion klauen. Bayer Leverkusen darf weiterhin nur noch Spieler kaufen, deren Frauen Rainer Calmund in einem brasilianischen Puff kennengelernt hat. Das entspricht mehr oder weniger der Verfahrensweise, wie sie auch jetzt schon gegeben ist, macht es aber offiziell.

Handball! Das Spiel ist zu 5/6 überflüssig. Ich kapier den Sinn nicht. Bei der Weltmeisterschaft beschwerte sich der sprechende Schnäuzer Heiner Brand, dass die Belastung für seine Jungs zu groß sei, dabei ist die Lösung so naheliegend. Verkürzt die Spielzeit. In den ersten fünfzig Minuten werfen sich die Spieler nur bedeutungslos den Ball um die Ohren, mal führt ein Team um zwei Punkte, mal das andere um eins, und spielen die Zeit herunter bis zur Schlussphase in der dann sowieso alles entschieden wird. Spielt einfach nur die letzten zehn Minuten!

Bonusrunde!

Tennis! Roger Federer muss die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Dafür sprechen drei gute Gründe: a) niemand kann sich für einen Schweizer begeistern, nicht einmal die Schweizer, b) wie Boris Becker und Michael Schuhmacher bewiesen haben schauen sich die Deutschen jeden Scheißsport an, wenn darin ein Deutscher der Beste ist, und c) wenn schon eine Sportart von einem einzigen Mann dominiert wird, kann es genauso gut ein Deutscher sein. Das ist der Rest der Welt so gewohnt und wenigstens kann man einen Deutschen hassen. Wer kann bei Roger Federer wirklich den Hass entwickeln, der einem überlegenem Langeweiler wie ihm gebührt? Er ist viel zu nett!

Sonntag, 27. Januar 2008

Signed. Sealed. Delivered.

Für heute und morgen ist meine Lieblingszahl: 55.

Die Reden von Barack Obama sind für die Geschichtsbücher großer amerikanischer Rhetorik geschrieben. Sie sind der amerikanische Traum in Reinform. Der Stoff von Präsidenten und Kings.

Der Schlamm und Schmutz des Wahlkampfs ist von Obama abgeperlt wie Wasser. Ich hoffe, der Anzug, in dem er zur Siegesfeier antrat, ist ähnlich abweisend. Denn über dessen Schultern werden heute noch die Freudenstränen seiner Anhänger strömen.

Die Attacken von Hillary wurden dreckig sobald es für sie gefährlich wurde. Flugblätter, die Obama einen muslimisch-extremistischen Hintergrund andichten, anonyme Anrufe, die ihn nur bei seinem vollen Namen, Barack Hussein Obama, nennen, Massen E-Mails mit Lügen über Koranschwüre, Flaggenentweihungen und rassistischen Anspielungen.

Das Clinton Lager hat keinen widerlichen Trick ausgelassen, den man in der Hauptwahl von der gegnerischen Seite befürchtete. Gegen einen Kandidaten aus den eigenen Reihen. Hill und Billy haben die Scheiße, mit denen die republikanische Maschine Bushs Weg zum weißen Haus schmierte, übernommen und daraus für sich selbst eine Rutsche gebaut. Für die Machtmenschen ist es der Erfolg, der zählt, nicht die Moral. Die Wähler von South Carolina einen langen guten Blick auf das Ergebnis geworfen und sind zu dem Schluss gelangt: Nein, das ist immer noch Scheiße, egal von wem es kommt! Rove hat uns die Kacke vorgestellt, und wir erkennen sie auch wieder, wenn sie aus der Hand eines Clinton stammt.

Können wir daraus den Schluss ziehen, dass die USA als Ganzes über diese Art der Politik hinaus will? Ich bin zu pessimistisch, um der hoffnungsvollen Note darin zu trauen. Ob South Carolina stellvertretend ist für den Rest des Landes...

Am fünften Februar wissen wir es.